Monthly Archives: Oktober 2013

I Will Miss You Dearly

I Will Miss You Dearly

Meine Austauschschülerin Pratiksha Jalan ist 15 und kommt aus Delhi. Sie ist ein nettes und ein unheimlich talentiertes Mädchen. Prats hat bei einem Schülerprojekt der populären Zeitung „Times of India“ mitgewirkt und einige Beiträge geschrieben. Sie schreibt auch Songtexte, aber am liebsten Gedichte. Also haben wir sie gebeten, ihre Erfahrungen mit dem Schüleraustausch für unseren Blog festzuhalten.

I will miss you dearly.

New moments in life are the joys too sweet
And the cherry on the cake
Are the people that you meet.

The pictures preserved as memories you make,
One day will return to shake your hand and greet.
The friends which now live in our hearts.
The culture you learned anew,
Awakening the spirits to amiable starts.
The anxiety and the fear in the minds of few,
With heart warming laughs is the part of your soul too.
The places that you visit become special to you,
Each of them holding a sacred gaze in your eyes
And shopping with your billet is fun to do.
The different personalities collide in the best ways,
With love and kindness they become a part of our crew.
Every day is fresh and bright and lively
With experiences imprinted in your dreams.

Oh ! my friend I say goodbye to you sadly
Knowing that you’ll remember how our friendship gleams.
You are irreplacable and I swear I’ll miss you dearly.

Pratiksha Jalan (Vanketeshwa Global School)

Praktisha mit Rafaela

Pratiksha mit Rafaela

 

“A woman as chancellor for Germany?!”

“A woman as chancellor for Germany?!”

…fragt mich am ersten Abend in Sonepat mein entsetzter Gastvater. Auf meine Frage, ob Frauen in Indien denn weniger wert seien als Männer, lenkt er schnell ab.

IMG_1693_2Bei kaum einem anderen Thema scheinen mir die Unterschiede innerhalb Indiens so groß wie bei der Rolle der Frau. Einerseits fördert unsere Schule in Sonepat (im sehr traditionellen und eher ländlich geprägten Staat Haryana) Mädchen und Frauen. Zum Beispiel gibt es extra nahe Parkplätze für Frauen oder bevorzugte Sitzplätze in der morgendlichen „Assembly“ für die „girls“. Noch dazu gibt es sogar einen Raum für Mädchen, der mit Bildern berühmten indischer  Frauen ausgestattet ist oder in dem Zitate hängen wie: „There is a woman behind every succesful man.“

Doch andererseits mussten wir bei unserem Besuch im Dorf Jagos (im ebenfalls ländlich geprägten Utra Pradesh) feststellen, dass in den Villages die Frauen nochmal eine ganz andere Rolle verkörpern als in der Stadt. Als wir in dem Gemeindehaus in Jagos ankamen, warteten bereits einige Kinder und Männer auf uns. Von Frauen war noch keine Spur. Nach und nach haben sich dann einige zu uns gewagt und sich äußerst schüchtern zu den Kindern auf den Boden gesetzt. Frau Weißenborn erklärte uns, dass die Frauen in den Villages so gut wie keine Rechte haben, „unterste Stufe“, meint sie. Dank des Schulleiters,  der kleine Grüppchen vor der Tür antrieb zu uns zu kommen, traute sich dann schließlich auch der Rest rein. Auch später merkten wir, dass dem Schulleiter definitiv etwas an den Frauen in seinem Heimatdorf liegt. Als wir durch das Village laufen, zieht er die sich versteckenden Frauen zu uns, nimmt ihnen den Schleier vom Gesicht und fordert sie auf, unsere Hand zu schütteln. Mich hat berührt, wie sehr sie danach gestrahlt haben, wie sie zu ihren Kindern gelaufen sind, um ihnen von der Begegnung mit den Deutschen zu erzählen. Verstohlen haben sie uns nachgelächelt, fest davon überzeugt, dass das gerade der Moment ihres Lebens war.

Aber nicht nur der Besuch in Jagos hat mein Bild von den Frauen Indiens geprägt, auch in meiner Gastfamilie in Sonepat merke ich jeden Tag die Rangordnung. Gerade wenn mein Gastbruder seiner Schwester ohne Bitte und Danke Befehle zuruft, muss ich stutzen. In Deutschland wäre das für mich undenkbar.

Gestern war für die Frauen Indiens ein besonderer Tag: Zu Ehren des Mannes verzichten sie den ganzen Tag auf Speisen und Getränke. Sobald der Mond zu sehen ist, wird das Fasten im Kerzenschein auf der Dachterrasse mit dem Verzehr einer indischen Süßigkeit beendet. Das fand ich sehr eindrucksvoll. Doch warum fasten die Frauen für die Männer und nicht andersrum? Als ich das beim Abendessen fragte, wurde ich erst mal ausgelacht. Der Mann trage die Verantwortung für die ganze Familie und ist Verdiener und Ernährer. Die Frau sei nur für den Haushalt und die Erziehung verantwortlich und somit nicht „fastenwürdig“.

Obwohl Deutschland und Indien in dieser Hinsicht noch lange nicht auf einem Niveau sind, merke ich doch, es bewegt sich langsam, aber sicher etwas vorwärts. Dank der Aufklärung und Gleichstellung in den Schulen hoffe ich, dass sich die Situation der Frauen auch in den ländlich geprägten Regionen Indien in einigen Jahren verbessern wird. Vielleicht können auch ein Schüleraustausch wie der unsere, unsere neugierigen und vielleicht ungewohnten Fragen und die Deutschlanderfahrung einiger indischer Mädchen einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Leni Karrer

Gastfreundschaft

Gastfreundschaft
"Welcome Sir! Welcome Madam!"

„Welcome Sir! Welcome Madam!“

Gastfreundschaft wird in Indien großgeschrieben. Egal, ob in unseren Gastfamilien, in der Schule oder von unbekannten Leuten, wir werden überall freundlich aufgenommen.

Den letzten Abend und die letzte Nacht in Delhi habe ich bei Marks Gastfamilie verbracht, die mich problemlos übernachten haben lassen, ohne mich zu kennen. Wir sind in Delhi rumgelaufen und haben uns die Umgebung zeigen lassen und immer wieder sind  Leute aus ihren Häusern gekommen, haben mit uns geredet und uns danach in ihr Haus eingeladen und uns beschenkt.IMG_0876

Meistens wurde uns auch noch Essen angeboten. Auch ins Haus unserer Gastfamilien kamen oft Nachbarn oder Verwandte, um uns in Indien willkommen zu heißen. Deshalb war einer der Sätze, die wir am meisten gehört haben: „Welcome to India.“ Eben dieser Satz begegnete uns auch bei den vielen Ausflügen häufig, besonders bei Schulbesuchen wurden wir oft mit diesen Worten begrüßt. Meiner Meinung nach symbolisiert besonders dieser Satz die große Gastfreundschaft der Inder, da er uns an vielen Orten zu Ohren kam und zeigt, wie herzlich und warm wir überall empfangen und aufgenommen wurden.

Mich hat  außerdem sehr gewundert wie aufgeschlossen auch die älteren Familienmitglieder uns gegenüber waren.

Aus Deutschland kenne ich nur meist sehr mürrische Großväter, wohingegen ich die meisten Abende in Delhi mit meiner Gastmutter, meinem Gastbruder und dessen Großvater verbrachte. Und auch die 96-jährige Großmutter der besten Freundin meiner Gastmutter war für ihr Alter und ihre Lebensumstände sehr fit. Trotz der nahezu gänzlichen Blindheit und der für das Alter üblichen Gebrechen war sie in der Lage, uns mit großer Freude zu grüßen und sich mit uns zu unterhalten.

Alles in allem hat uns die unglaubliche Gastfreundschaft der Inder sehr überrascht, denn keiner von uns würde einfach so einen Touristen in sein Haus lassen. In Deutschland leben wir eher nach der Devise „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, was auf Indien so gar nicht zutrifft.

Wolfgang Stelzer, Mark-Philip Maiwald, Lars Martin

„What are your aims?“

„What are your aims?“

Hoeher, weiter, besser. Immer mehr Geld verdienen, ein groesseres Haus, ein schnelleres Auto.

Im Buero des Principals hoeren wir eine gluehende Rede ueber Ehrgeiz und versuchen verzweifelt, ihm zu erklaeren, dass unsere Lehrer uns nicht zu uebermenschlichen Leistungen antreiben, sondern unsere Persoenlichkeiten staerken wollen. Es geht nicht in seinen Kopf, dass die meisten von uns nicht immer mehr Geld verdienen und „famous“  werden wollen, sondern einen Beruf moechten, der uns Spass macht; dass wir an einem bestimmten Punkt sagen: „Hey ich bin gluecklich und zufrieden, ich muss nicht noch mehr Geld scheffeln.“Auch nach dem x-ten Versuch schien der Schulleiter nicht zu verstehen, wieso wir nicht immer besser und reicher als der Rest sein wollen.

In Indien scheinen viele Schueler eben diesen Ehrgeiz zu haben. Schon frueh nehmen sie an unzaehligen competitions teil. In den Schulen gibt es viele Projekte und schon frueh morgens gehen manche Schueler in tuition, freiwilligem Extraunterricht in verschiedensten Faechern. Auszeichnungen und Siege, Pokale und Medallien, einfach besser zu sein, darum dreht es sich hier meist. In Indien wissen die meisten Schueler schon genau, was sie spaeter mal machen wollen. Wenn ich mir deutsche Schueler, vor allem mich selbst, anschaue, bin ich mir da nicht so sicher. Viele machen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Work & Travel, bis sie herausfinden, was sie spaeter werden wollen.

In Indien werden wir staendig gefragt: „What are your aims?“ und ich weiss nie, was ich antworten soll. Wenn ich dann verwundert angeschaut werde, fuehle ich mich etwas unbehaglich und frage mich, ob so ein bisschen indischer Ehrgeiz vielleicht ganz gut waere. Dann denke ich an meine Austauschschuelerin, die wegen „Tuition“ schon um 5 Uhr frueh aufsteht und denke mir, „lieber doch nicht“. Allerdings ein bisschen mehr in der Schule anstrengen, ein wenig mehr ueber die Zukunft nachdenken, das wuerde den meisten von uns doch nicht schaden. Trotzdem sollte man aber immer noch das Heute, das Hier und Jetzt geniessen koennen. Das Leben als Wettbewerb – nicht fuer mich. Da duerften auch die Inder ruhig mal einen Gang zurueckschalten, finde ich.

Auf die Situation Indiens bezogen sind die Ziele des Principals ja verstaendlich, aber Zufriedenheit mit dem, was man hat, ist auch wichtig.

Rafaela Pfeil

Karva Chauth – die dunkle Nacht

Karva Chauth – die dunkle Nacht

ulrike_2„The moon is up“! Einige Frauen in wertvollen Saris, über und über mit Goldschmuck behängt, versammeln sich draußen, schauen auf den Mond und zünden dias – kleine Öllämpchen – an, während die Männer und in unserem Fall auch die deutschen Gäste zuschauen. Dann gesellt sich jeweils der Ehemann zu seiner Frau und steckt ihr etwas zu essen in den Mund. Es ist ihr erster Bissen seit dem Morgengrauen.

An Karva Chauth fastet die verheiratete Frau einen ganzen Tag zum Wohle ihres Mannes, damit ihm ein langes Leben vergönnt sei. Im Morgengrauen nimmt sie den letzten Schluck leichten Tee oder Wasser, häufig von der Schwiegermutter zubereitet, und dann gibt es erst wieder etwas, sobald der Mond am Himmel sichtbar wird. Am Nachmittag beginnen die Frauen sich für das abendliche Fastenbrechen herauszuputzen. Die Henna Tattoos an den Händen werden meist schon am Vorabend aufgetragen. Saris und Schmuck werden häufig extra für diesen Tag neu angeschafft.ulrike_3

Eigentlich ist Karva Chauth ein hinduistisches Ritual und nur für verheiratete Frauen gedacht. Der Tag erfreut sich jedoch immer größerer Beliebtheit und wird inzwischen auch von Verlobten und Anhänger anderer Religionen zelebriert. Wir hatten bei der Feier, die wir besuchen durften, ohnehin den Eindruck, dass es mehr um die schöne Zeremonie ging als um die Ehrerbietung der Frau gegenüber ihrem Mann. Da haben wir uns aber vielleicht etwas getäuscht. Immerhin stand heute Morgen in der „Times of India“ zu lesen, dass ein Mann in Delhi seine Frau zu vergiften versuchte, weil sie sich weigerte, für sein Wohlergehen zu fasten.

 Von Ulrike Weißenborn und Stefan Fahrad

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Armut in Indien ist anders

Armut in Indien ist anders

„Die Nachhilfe für meinen Sohn können wir uns nicht leisten.“, sagt die deutsche Hartz IV Empfängerin, die mit ihrem Mann und zwei Kindern zusammen in einer kleinen Wohnung irgendwo in Deutschland lebt. Bei uns gelten die Menschen als arm, deren Gehalt unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegt. Obdachlose gibt es wenige, und das sind sie dann nur aus freien Stücken, weil sie die Hilfe vom Staat ablehnen, die eigentlich jedem Bürger zusteht.

Doch dann bin ich in Indien und sehe etwas anderes:

Ich sehe Slums mit Unmengen von Leuten  und Müll, wo es weder Strom, noch sauberes Wasser gibt, wo man im verschmutzten Fluss baden geht und einem jegliche Form von Privatsphäre fehlt.

Wohnhaus

Wohnhaus

Ich sehe tausende Taxifahrer, die nichts anderes besitzen als ihre Rikschas. Tagsüber kutschieren sie Leute durch die Gegend, nachts suchen sie sich irgendeinen Platz in der Stadt, um dort zu schlafen.

Ich sehe Straßenstände (Lebensmittelhändler, Töpfer, Näher, Friseure) mit Zelten aus Plastikplanen daneben, in denen eine ganze Familie wohnt, überall an der Straßenseite.

Und dann sehe ich Menschen, die überall herumliegen, auf Bänken, im Gras, am Straßenrand und schlafen, tagsüber, nachts, ohne Decken oder Kissen, ohne alles.

Ich sehe Menschen,  die vergessen haben, dass sie mehr können, als nur tagein tagaus Mitleid zu erregen, um so ihr tägliches Brot zu sichern und dabei auch alle möglichen Tricks zum Einsatz bringen.

Sheila_Audi

KONTRASTE

Da sind Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen oder Kinder, die sich bei roten Ampeln durch die Massen der Autos schlängeln und so lange an den Scheiben kratzen, bis man ihnen ein bisschen Geld zusteckt oder Mütter, die mit Baby im Arm wie auf dem Präsentierteller durch die Menge laufen und um Essen betteln und kleine Kinder, die keine Kindheit mehr haben, da sie von wem auch immer aufs Betteln gedrillt werden.

Ich sehe diese Kinder vor mir und will wegrennen, meine Augen verschließen, so tun, als sei alles in Ordnung, einfach darüber hinwegsehen. Doch das geht nicht. Die Realität verpasst mir einen heftigen Schlag ins Gesicht und ich muss erkennen, dass ich dadurch zu jemandem werden würde, der sich weigert zu helfen. Aber wie soll man an dieser Situation etwas ändern? Mit der Zeit entwickelt sich so eine Art Wut in mir, weil ich erkenne, dass das bisschen Essen oder die paar Rupees, die ich ihnen geben kann, diesen Kindern auf Dauer auch kein besseres Leben verschafft, dass es ihnen vermutlich nie besser gehen wird und sie vielleicht für immer betteln gehen müssen. Und diese Hilflosigkeit ist es, die mich letztendlich traurig macht.

Hier zu sein, über  meinen Tellerrand zu schauen und etwas völlig anderes zu sehen als meine gewohnte Umgebung, lässt mich erkennen, wie gut es uns in Deutschland geht und wie gerne wir uns doch manchmal auf hohem Niveau beschweren.Sheila_Riksha

 Sheila Squire

“Jaipur, the Symphony in Pink!”

“Jaipur, the Symphony in Pink!”

Jaipur_1Jeder kennt doch das Problem mit Großstädten bei uns. Sie sind laut, voll und langweilig grau!

Warum nicht mal ein wenig Abwechslung? Vielleicht eine pinke Stadt? Weit weg im fernen Indien findet man sie:

Jaipur, die Sinfonie in Pink!

Kurz nach unserer Ankunft in Sonepat fragte mich mein indischer Austauschschüler, was ich denn am Sonntag, der als gemeinsamer Tag mit der Gastfamilie geplant war, gerne unternehmen möchte. Ich sagte, ich wolle etwas Ungewöhnliches sehen. Etwas, das es nirgendwo gibt. Darauf sagte er: Dann muss ich dir die Pink City von Jaipur zeigen!

Sofort willigte ich ein und nach unserer Rückkehr aus dem Dorf Jagos fuhren meine Gastfamilie und ich los Richtung Jaipur, das 6 Stunden südlich von Sonepat liegt.

Am nächsten Morgen verließen wir das Hotel, in dem wir die Nacht verbracht hatten, und machten uns auf in Richtung Innenstadt.

Auf den ersten Blick ähnelte Jaipur  sehr den meisten anderen indischen Städten, doch als wir die Innenstadt erreichten, war alles anders. Überall war auf einmal Pink! Ich konnte es kaum glauben.

1863 besuchte Prinz Albert die, von Maharaja Jai Singh II geplante Stadt, die nach ihm genannt wurde. Zu Ehren des hohen Besuches wurde die Altstadt pink bemalt. Dies faszinierte nicht nur Albert, sondern heute noch Menschen aus aller Welt, die die Stadt und all ihre zahlreiche Sehenswürdigkeiten besichtigen kommen.Jaipur_2

Doch es gibt noch viel mehr zu sehen. Das Zentrum der „Pink City“, das Hawa Mahal, auch Palast der Winde genannt, ist das Wahrzeichen von Jaipur. 1799 von König Sawai Pratap Singh erbaut, um den Damen vom Hof eine kalte Brise durch die vielen kleinen Öffnungen in der Wand zu verschaffen. Schließlich ist es im Wüstenstaat Rajasthan sehr heiß, was ich am eigenen Leib erlebt habe.

Nach dem Hawa Mahal gingen wir zum City Palace, in dem ehemalige Artilleriegeschosse und Kleider der früheren Könige bewundert werden können. Ebenso wie die Gangajalis. 2 große silberne Urnen, die als größte Gefäße aus Silber einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde haben. Mit einem stattlichen Gewicht von 345 kg.

Danach verließen wir die Innenstadt und fuhren am Ufer des Sagar Lake entlang. Am Straßenrand entdeckte meine Gastfamilie eine indische Familie die Kamelreiten für Touristen anbot. So kletterten mein Austauschschüler und ich auf ein Kamel und ritten die Straße entlang. Vom Rücken des Kamels entdeckte ich auf einmal einen Palast, der mitten im See halb unter Wasser stand.

Das Jal Mahal, auch Wasser Palast genannt, wurde 1799 von Sawai Pratap Singh erbaut. Er sollte ihm während des Badens im See Schatten spenden. Der Sagar Lake entstand durch den Damm den Sawai Man Singh II errichtete, um Jaipur besser mit Wasser zu versorgen.

Als nächstes besuchten wir das Amber Fort in den Bergen. Bis zur Gründung von Jaipur war es die Hauptstadt und Residenz des Königs. Auch heute noch signalisieren 2 Fahnen in jeder Festung, ob der jeweilige König sich im Palast befindet (bei 2 gehissten Flaggen) oder nicht (bei einer gehissten Flagge).

Hat man erst einmal die Aussicht vom Fort aus gesehen, versteht man gut, warum der König dies als würdige Unterkunft erachtete.

Bei wolkenfreiem Himmel überblickt man die gesamte Umgebung von hohen mit Wäldern bedeckten Bergen bis hin zu den Tälern, in denen Jaipur liegt. Die Festung beeindruckt ebenfalls mit glänzenden Verzierungen an den Wänden und einem bunt blühenden Garten in der Mitte der Festung.

Wegen seinen vielen Sehenswürdigkeiten zählt Jaipur zusammen mit Delhi und Agra zum „Goldenen Dreieck“

Mich hat die Pink City und die wunderschöne Umgebung von Jaipur sehr fasziniert und ich empfehle jedem, der sich irgendwann einmal in der Nähe von Delhi aufhält, einen Abstecher nach Jaipur zu machen.

Christopher Schwarzkopf

Über Frauen und Mädchen

Über Frauen und Mädchen

Diary of an unborn Baby:

01. May: Today my life begins

15. May: My blood circulation system is beginning now…my body grows…

19. May: My mouth begins to form…

21. May: My heart begins to beat…

22. May: For some reason my mom worries.

28. May: My hands and feet begin to grow.

08. June: Little fingers appear on my hands.

13. June: My mom is happy because she can feel me moving…

20. June: I begin to grow into a girl.

26. June: New organs begin to grow.

06. July: Hair begins to grow on head and over eyes.

08. July: My eyes are ready, but still shut…

19. July: My heart is really beating

20. July: Ooops! My mom killed me and dropped me into the dustbin…

 

Are you not lucky you are reading this article? There are only 932 females per 1000 males.

Wake up! Save the Girl Child!

 Mädchen_1

Dies ist ein Artikel aus dem Schulmagazin unserer Austauschschule Rishikul Vidyapeeth. Er wurde von einem Mädchen aus der 10-ten Klasse verfasst und als ich ihn gelesen habe, war ich wirklich sehr geschockt darüber, dass über das Thema Mädchenabtreibung sogar in einer Zeitschrift für Schüler ab ca. 5 Jahren berichtet wird. Als ich meine Austauschschülerin danach frage, meint sie, dass in Indien immer noch die Ansicht besteht, Mädchen seien viel weniger wert als Jungen, deshalb wolle man ihre Geburt gleich verhindern und treibe ab. Die Mädchen, die glücklicherweise doch eine Chance auf Leben bekommen, müssen sich dann aber besonders anstrengen, vor allem in der Schule, um zu beweisen, dass sie eben doch genauso viel wert sind wie Jungen. Sie stehen also unter viel höherem Leistungsdruck als ihre männlichen Klassenkameraden.

Trotz dieser Anstrengung entwickeln sich  in großen Teilen Indiens Unabhängigkeit oder Selbstbewusstsein der Frauen nur sehr schleppend. In Jagos zum Beispiel, dem Geburtsdorf des Schulbesitzers  der Rishikul Vidyapeeth, ziehen sich sofort alle Frauen die Schleier ihrer Saris vors Gesicht, wenn Fremde auftauchen und weichen ihren Blicken schüchtern aus.

Und auch in unseren Gastfamilien merkt man oft, dass Frauen einfach als minderwertig gelten. Macht man dort als Tochter einen Fehler, wird man sofort bestraft und das wirklich nicht zimperlich. Bei Jungs wird aber schon mal ein Auge zugedrückt…Girls only_3

Deutlich wird die Situation auch, wenn der jüngere Bruder das Sagen über die große Schwester übernimmt, sobald der Vater aus dem Haus ist. Dann spielt das Alter kaum eine Rolle, wichtig ist nur das Geschlecht.

Natürlich ändert sich die Situation, vor allem in den gebildeten Familien, trotzdem ist Unterdrückung mehr Regel als Ausnahme, was meiner Meinung nach sehr traurig ist.

Ein zusätzlicher Grund für Mädchenabtreibung ist auch die Mitgift bei indischen Hochzeiten. Hierbei muss die Familie der Braut der des Bräutigams eine große Summe Geld und Wertgegenstände mitgeben, was die meisten armen Familien dann in den Ruin treibt. Werden in solch einer Familie also mehrere Töchter geboren, bleibt den Eltern nichts mehr zum Überleben. Das heisst, man überlegt sich lieber zweimal, ob man eine Tochter zur Welt bringt oder lieber nicht…

Offiziell wurde diese Mitgift zwar abgeschafft (genauso wie das Kastensystem), in den Dörfern und kleinen Städten Indiens bleibt diese Denk- und Handlungsweise aber eben leider weiterhin erhalten (genauso wie das Kastensystem).

Ich hoffe wirklich, dass Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt eines Tages Gleichberechtigung erleben dürfen, so wie wir sie in Deutschland genießen.

Pia Zinkernagel

„Live dabei“

„Live dabei“

Live dabeiMellis Blogeintrag letztes Jahr über den Besuch im Dorf Jagos war sehr anschaulich und berührend. Generell haben die Erzählungen und Bilder vom letzten Jahr neugierig gemacht auf unseren eigenen Besuch in Indien.

Und nun sitze ich hier und kann das alles mit eigenen Augen sehen und mit den Bildern vergleichen. „Wie im Fernsehen“, sagt Tete, als wir über den ganzen Müll auf den Straßen und die Armut reden. Auch das Verkehrschaos enttäuscht nicht: Es wird genauso viel gehupt, wie man uns erzählt hat, die Gastfreundschaft der indischen Familien ist wahrhaft königlich und vieles hat man schon auf Bildern gesehen oder erzählt bekommen.

Heutzutage ist es leicht, mit ein paar Klicks um die Welt zu reisen. Wir können uns Filme und Bilder von anderen Ländern anschauen und im Restaurant chinesisch, afrikanisch, italienisch oder indisch essen. Wieso also sich mit der schwülen Hitze, dem Schmutz und Staub plagen, anstatt gemütlich auf der Couch fremde Länder zu bereisen?

„Ceci n’est pas une pipe“, „Dies ist keine Pfeife“ ist ein Kunstwerk von René Magritte. Es zeigt eine Pfeife, aber wie der Titel schon sagt: Es ist keine Pfeife. Man kann sie weder stopfen noch rauchen. Es ist nur das Abbild einer Pfeife. Also sind alle Gemälde, Fotografien und Videos eigentlich gar nicht echt. Sie sind Abbilder der Realität.

Heutzutage sehe ich auf Konzerten und bei Sehenswürdigkeiten sehr viele Kameras. Alles wird gefilmt und fotografiert um festgehalten zu werden. Aber wer von uns sieht die Welt noch, wie sie wirklich ist? Wenn ich auf einem Konzert bin, möchte ich nicht filmen! Ständig auf das  Display zu starren und schauen,  dass alles drauf ist…  Nicht mit mir! Ich möchte alles durch meine eigenen Augen sehen und nicht durch die Kameralinse. Ich möchte die Farben, Geräusche und Gerüche erleben und nicht nur aufnehmen. Und genau deshalb reise ich. Deshalb habe ich das Abenteuer Indien gewagt. Ich will nicht nur Bilder sehen und Geschichten erzählt bekommen, ich will alles selbst erleben. Ich habe das Taj Mahal mit eigenen Augen gesehen, das indische Essen geschmeckt, die Warmherzigkeit meiner Gastfamilien erfahren und man hat mir die reiche indische Kultur näher gebracht.

Aber man kann keine halben Sachen machen. Eine Reise nach Indien ist kein Luxusurlaub und man sieht nicht nur die schönen und bunten Seiten. Man sieht die Armut, mit der 70% der indischen Bevölkerung lebt, die verdreckten Straßen und man hört von Mädchen, die wegen Kleinigkeiten geschlagen werden, während Jungs eine zweite oder dritte Chance bekommen. Man sieht ein Land, das sich weiter entwickeln will, aber dies auf Kosten eines großen Teils seiner Bevölkerung tut.

Wir haben Delhi, eine Großstadt, Sonepat, eine Kleinstadt, und auch Jagos, ein armes Dorf, gesehen. Wir haben viele Facetten Indiens kennen gelernt, die man als Tourist selten erleben kann. Das macht den Schüleraustausch so wertvoll. Auch die Herzlichkeit der Familien und das strahlende Lächeln der Kinder in Jagos machen den Austausch so berührend für mich. „Die sind sogar glücklicher als wir“, sagt Maggi und wir beide stellen fest, dass sie vielleicht arm sein mögen, aber trotzdem viel fröhlicher wirken und unheimlich herzlich lachen. Während wir uns wegen Nichtigkeiten beschweren, scheinen sie mit ganz wenig völlig zufrieden zu sein.

Reisen im Allgemeinen, aber vor allem ein solcher Austausch, bringt uns fremde Kulturen näher, aber er öffnet uns auch die Augen für unser eigenes Land und dafür, wie gut es uns geht. Ich bin dankbar, diese Möglichkeit zu haben, dankbar, das alles zu erleben (nicht nur auf Fotos) und dankbar, dass man mich daran erinnert, dass ich mit meinem vergleichsweise priviligiertem Leben sehr zufrieden sein kann!

Rafaela Pfeil