Monthly Archives: Oktober 2014

Incredible India (by Petra)

Incredible India (by Petra)

Der 2-wöchige Schüleraustausch geht langsam zu Ende. Ich bin voller Eindrücke und habe das Gefühl, schon mehrere Wochen unterwegs zu sein. Indien, ein so völlig anderes Land, spricht alle meine Sinne an.
Wir sind im sogenannten „goldenen Dreieck“ zwischen Delhi, Agra und Jaipur unterwegs und lernen damit nur einen Bruchteil dieses faszinierenden und riesigen Landes kennen. Ein Land, das mit all seinen Facetten nicht unterschiedlicher sein könnte.
Vor allem die Möglichkeit, bei diesem Austausch das Leben in einer indischen Familie zu erleben, ist schon einmalig. Hier in unserem Blog wurde schon viel berichtet. Die Gespräche mit den Menschen, die alle unsere Fragen beantworten, helfen uns, diese Kultur zu verstehen, die uns in vielen Bereichen fremd anmutet. Manches kommt einem aber auch sehr bekannt vor.

Under construction

Under construction

Wer sich aber auf dieses Land einlässt, wird wunderbare und warmherzige Menschen kennen lernen. Menschen, die voller Energie sind und die der neuen Regierung offen und optimistisch gegenüber stehen.

Die Zeit für Veränderungen ist gekommen. Wir hören es immer wieder „Things are changing“.
Auch ich spüre diesen Geist und sehe den Umbruch. Baustellen überall, Bürokomplexe und  Hotels sprießen wie Pilze aus dem Boden. Hier gibt es keine Nachtruhe, hier ist 24 Stunden Power angesagt.
Dies spürt man auch in den Schulen. Bereits im Kindergarten wird  den Kindern von neun bis zwölf Uhr schreiben, rechnen und lesen beigebracht. Für die Inder ist klar, was der Schlüssel zum Erfolg ist: BILDUNG.

Über dieses Privileg machen wir uns gar keine Gedanken mehr und nehmen es als selbstverständlich hin. Dieser Austausch stimmt mich doch sehr nachdenklich. Wir sollten angesichts unseres privilegierten Lebens dankbarer und demütiger werden.

Petra

Puma made in India (by Emmeli)

Puma made in India (by Emmeli)

Have you ever wondered where some of your brand label clothes come from?

Of course, from a clothing factory. About 1.7% of the clothes you buy in Germany are made in India. But where? What does such a clothing factory look like? How does it work?

While on a cultural exchange in New Delhi I got to meet my host’s entire family: mother, father, brother, cousins, aunts, uncles. They also wanted me to get to know them better, so, on Sunday, they showed me where one of their uncles works.

From the outside it is an unspectacular building in Noida, a part of New Delhi. When you enter the building you first need to walk up the stairs to get to an office. Right next to the office there is a big door leading to a huge hall which contains long rows of tables. In this hall the textiles are being checked and packed into boxes for export.

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Arbeitsbereich

The second floor is the production hall. There are again many rows of tables with sewing machines where the workers sew the clothes.

The third floor is another huge hall but it is almost empty because another production hall is being built there.

The fourth and top floor is also still being built. There is going to be a cafeteria there for the workers.

 

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Lift

They seem to be building a lift too, but compared to German construction sites the ones in India are very dangerous:

The lift is not finished yet so there is only a hole in the wall that leads to a deep, deep hole in the floor. (I took a picture using the flashlight to see how deep it is, but I couldn’t see to the ground). What’s so dangerous about it is that there is no barrier, no warning sign, nothing. In Germany I assume there would have been a sign saying “Danger” at least.

From the tiny balcony in the cafeteria you can see the building where the Adidas, Puma or Reebok logos are printed onto the textiles. I am told by my guest families that the products are being sold for five times the production costs. I did not dare to ask how much a worker here makes an hour.

The workers seem to have to wear clothes in specific colors depending on what exactly their job in the factory is. Walking back downstairs I see a list that shows which colors of clothes or bands belong to which kind of workers.

It was a really interesting visit but unfortunately there was nobody working (probably because it was Sunday), so I couldn’t see how good the working conditions REALLY are.

 

Emmeli

Mann im Mond

Mann im Mond
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Frau mit Henna

Es liegt ein beißender Geruch in der Luft. Ein Dutzend Frauen versammelt sich mitten in der Nacht um einen kleinen Straßenstand. Viele von ihnen warten schon länger, um das Zentrum des Geschehens zu erreichen. Doch wieso wollen diese Frauen unbedingt in die Mitte vordringen?

Karwa Chaut – es ist Freitagnacht und die Vorbereitungen für die indische Fastenfeier nähern sich ihrem Höhepunkt. Jede Frau, die daran Teil haben will, lässt sich die Handinnen- und Außenseite für dieses Event mit Henna bemalen. Wer noch keine Bemalung hat, wartet bis sie an der Reihe ist. Die indische Gastmutter erzählte mir, dass sie schon einmal zwei Stunden hätte warten müssen, um das Henna bei dem erwünschten Straßenkünstler machen lassen zu können.

Das ist also der Grund, weshalb wir mitten in der Nacht in einer der dunkelsten Ecke Delhis stehen, umhüllt von dem unangenehmen Duft der braunen Farbe, welche für die Bemalung verwendet wird.

Nach etwas längeren Warten kommen auch wir an die Reihe und allmählich wird mir auch klar, weshalb alles so lange dauert. Jedes Design ist anders. Jede Hand wird ein individuelles Kunstwerk mit verschiedenen Mustern, Bedeutungen und Verzierungen.

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Bereit für die Zeremonie

Man sagt, je dunkler das „Mendi“ wird, desto stärker wird man geliebt. Da bei dieser Feier die Ehe gestärkt wird, handelt es sich hier um die Liebe des Ehemannes zu seiner Frau. Um einen möglichst dunklen Farbton zu erzielen, tricksen die Frauen oft mit Öl.

Der Sinn dieser hinduistischen Tradition besteht darin, dass die Frau für ihren Ehemann einen ganzen Tag lang fastet, also kein Essen und kein Trinken zu sich nimmt. Dies dient dem Wohle des Mannes, dessen Lebenskraft dadurch ein weiteres Jahr (bis zum nächsten Karwa Chaut) gestärkt wird.

Als der Mond so gegen 20:30 Uhr aufgeht, stehen wir auf dem Dach des Hauses mit Blick über das nächtliche Delhi und das Ritual beginnt:  Die festlich gekleidete Gastmutter stellt eine Kerze in eine Art Sieb, schwenkt dieses und dreht sich in Richtung Mond. So werden Mann und Mond miteinander verglichen. Nun wird das Fasten gebrochen, indem der Ehemann seiner Frau Wasser in den Mund schüttet. Erst zu diesem Zeitpunkt realisiere ich, dass auf allen Terrassen und Dächern um uns herum Kerzen brennen und alle anderen Nachbarn dasselbe Ritual vollziehen.

Am nächsten Tag sind diese Feierlichkeiten ein großes Gesprächsthema unter uns Austauschschülerinnen, da manche Mütter gar nicht fasteten und eine der Gastmütter das Fasten gar per Skype mit ihrem Mann brach.

In der Zeitung steht ein Artikel über Studentinnen der Delhi University, die nicht offen zugeben, dass sie für ihren Freund fasten, da dies unter gebildeten jungen Frauen als „uncool“ und rückständig gilt. So erfinden sie allerlei abenteuerliche Ausreden (Detoxtag, Diät, Essensspende an die Armen…), um ihr Fasten zu rechtfertigen.
Vivien

Heimliche Liebe

Heimliche Liebe
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Bräutigam auf dem Weg zur seiner Zukünftigen

Wenn wir in Deutschland an indische Hochzeiten denken, fallen uns sofort arrangierte Ehen ein. Mich hat dieses Thema schon immer interessiert, aber ich habe mich nie sehr intensiv damit beschäftigt, bis ich zufällig folgende Geschichte hörte.

Eine unserer indischen Austauschschülerinnen, deren Namen ich hier nicht nennen möchte, erzählte mir von ihrem heimlichen Freund. Wir waren geraden alleine, sodass niemand lauschen konnte.

Sie zog damals mit ihrer Familie in einen anderen Stadtteil um. Die Nachbarn haben sie alle herzlich begrüßt, dabei hat sie ihn kennengelernt. Sie verstanden sich sofort, verbrachten heimlich immer mehr Zeit zusammen. Aus einer Freundschaft entwickelte sich Liebe, bis sich die beiden dazu bekannt haben und nun zusammen sind.

Während die Familie des Jungen kein Problem mit der Freundschaft der beiden hat und diese sogar  gut heißt, darf ihre Familie nichts davon erfahren. Der Grund dafür bedient die typischen Klischees und klingt wie aus einem Bollywoodfilm – es ist die Kaste. Sie gehört der höchsten Kaste an, den Brahmanen, während die Familie des Jungen aus einer niedrigeren Kaste stammt. Die Kasten wurden 1948 offiziell abgeschafft und die Unterteilung der Menschen nach diesem System ist in Indien verboten. Aber in den Köpfen vieler Menschen ist es noch lebendig und so ist der Vater dem Jungen gegenüber feindlich gesinnt.

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Seltenes Bild – Händchen halten

Die Terrassen der beiden liegen in Rufnähe voneinander. Trotzdem können sie sich nicht miteinander unterhalten, da ihr Vater sie möglicherweise dabei erwischen könnte oder sie beim kleinsten Verdacht sogar ausspioniert werden.  Jeglicher Kontakt ist streng verboten. Würde ihre Beziehung eines Tages rauskommen, würde es für das Mädchen schwerwiegende Folgen haben. Sie hat mir nicht explizit gesagt, wie schwer die Bestrafung ausfallen würde, aber es wurde unmissverständlich klar, dass es eine körperliche Strafe sein würde.

Sie erzählte mir, dass in ihrer Familie nur bei den Mädchen so streng vorgegangen wird. Die Jungs haben viel mehr Freiheiten und können sich grundsätzlich mehr erlauben.

Auch ihre Eltern haben  aus Liebe geheiratet und nun hofft sie, dass sie eines Tages mit dem Jungen zusammenleben kann. Auch wenn er einer anderen Kaste angehört, während ihre Eltern aus der gleichen Kaste stammen.

Wenn man so eine Geschichte hört, findet man die üblichen Klischees der arrangierten Ehen schnell bestätigt. Also habe ich mich weiter umgehört und musste feststellen, dass es nicht jede Familie so handhabt. Es gibt die Mädchen, die wegen einer Beziehung von der Familie hart bestraft werden oder deswegen von der Schule fliegen. Dann die anderen, die zwar nur eine Verwarnung bekommen, ohne irgendwelche Konsequenzen zu erfahren. Es gibt auch solche Eltern, die kein Problem mit einem Freund haben, unabhängig davon, welcher Kaste er angehört. Diese Mädchen können wirklich über alles mit ihren Eltern reden. Mitra, meine Austauschschülerin, hat mir erzählt, dass bei manchen Familien nur dann Ehen arrangiert werden, wenn Tochter oder Sohn alleine niemanden finden kann. Dann helfen die Eltern bei der Familiengründung mit und suchen einen Partner.

Man sieht einmal mehr, wie unterschiedlich Indien ist und wie unterschiedlich indische Familien mit den Themen Liebe und Partnerschaft umgehen.

Wiebke

Coole Kühe

Coole Kühe

Man trifft sie in Indien überall: Ob mitten in der Stadt oder auf der Autobahn, Kühe sind in Indien allgegenwärtig.
Mich freut’s, weil ich Kühe richtig cool finde.

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Kühe am Chillen

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„Brennstoff“

Warum? Weil Kühe einfach so „gechillt“ sind! Außerdem sind sie in Indien heilig!

Heilig? Angeblich wurde Sri Krishna von einer Familie mit Kühen aufgezogen und die Kühe beschützten die Gottheit. Er gabe der Kuh den Status einer „Mutter“ ähnlich der Mutter Erde, die Leben spendet und mit ihrer Milch Leben erhält.

Was bedeutet das für die Kühe?
Die Kühe dürfen in Indien nicht geschlachtet oder anderweitig verletzt werden! In ganz Indien darf niemand Kuhfleisch essen. Die meisten Kühe gehören auch keinen Bauern, sondern leben frei und können überall herumlaufen, ganz egal ob auf der Autobahn oder in der Stadt. Sie werden überall gefüttert. Wenn eine Kuh auf der Straße steht, kommt der ganze Verkehr zum Stillstand, bis die Kuh freiwillig das Feld räumt, Hupen ist aber erlaubt. Auch darf man der Kuh nichts anhaben, wenn sie ein Haus zertrampelt oder Waren verspeist. Deshalb haben die indischen Kühe wahrscheinlich das chilligste Leben im Vergleich mit den Kühen weltweit.

Was wir aus dem Kuhdung?
Er wird oft aufgesammelt, getrocknet und als Brennstoff verwendet. Dann ist die …  am Dampfen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Conrad

Roadkill

Roadkill
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AIIMS

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Überfüllte Wartezimmer des AIIMS

Rush-Hour in Delhi, die Straßen sind verstopft und es geht nur langsam voran mit dem Verkehr. Hier soll ein Rettungswagen durch?! Undenkbar!
In Delhi braucht ein Krankenwagen mindestens 30 Minuten bis zu dem Ort, an den er gerufen wurde, sofern überhaupt ein Notruf  (Rufnummer: 102) abgesetzt wird. Viele Inder halten dies nämlich nicht für nötig, da es entweder schneller geht, selbst den Weg ins Krankenhaus anzutreten oder man zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall Probleme mit der Polizei vermeiden will, wie mir Chaitanya, mein Austauschpartner, erzählt.
Leider bekommen wir die Gelegenheit, einen Unfall live mitzuerleben. Auf unserem Weg zu den Pratapgarh-Farms wird  ein Motorradfahrer (ohne Helm) von einem Bus angefahren.  Er bleibt regungslos auf der Straße liegen und blutet schwer am Kopf.  Doch keine der umstehenden Personen macht Anstalten zu helfen oder einen Notarzt zu rufen. Auch die meisten indischen Schüler und Lehrer in unserem Bus sehen weg und halten es nicht für nötig einzugreifen. So wird der Schwerverletzte nur von der Straße geschleift, von eher Schaulustigen als Helfern umringt und der Verkehr kriecht weiter als sei nichts gewesen.
Sollte doch einmal ein Rettungswagen gerufen werden und  in ein Krankenhaus fahren, sind das überwiegend keine Krankenhäuser mit westlichen Hygiene- und Versorgungsstandards.  Ein Beispiel befindet sich nur zei Straßen von Chaitanyas Wohnung entfernt. Das Krankenhaus hat nur zwei Stockwerke, das Wartezimmer ist nicht klimatisiert und die Liegen, die nicht benutzt werden, stehen vor der Tür direkt neben der hauseigenen Müllkippe. Wohlhabendere und vor allem versicherte Menschen können sich in den besseren Krankenhäusern oder Privatpraxen behandeln lassen, die häufig von außen wie Luxushotels aussehen. Doch den ärmeren Menschen bleibt nichts als in die Krankenhäuser zu gehen, die den modernen Ansprüchen an Hygiene und Pflege nicht entsprechen.
Laut unserer Austauschpartner befindet sich die derzeit beste Klinik in Delhi. Sie heißt AIIMS, was für “All Indian Institute of Medical Science” steht, eine Art Universitätskrankenhaus.
Die Überbevölkerung Indiens bedeutet auch eine ungeheure Herausforderung für die medizinische Versorgung:  So kommen auf einen Arzt im Durchschnitt 1700 Patienten. Die bittere Konsequenz: Es kommt in Indien gelegentlich vor, dass Schwerverletzte beim Warten auf die Behandlung sterben. Auch gehen Inder nur zum Arzt, wenn es wirklich nötig und dringend ist, erzählt mir Chaitanya. Das Warten nur um sich „durchchecken“ zu lassen, sei viel zu lang. Eine Krankenversicherung ist wie bei uns in Deutschland eigentlich Pflicht, doch Menschen aus ärmeren Verhältnissen haben natürlich meist keine. Allesamt große Herausforderungen für das indische Gesundheitssystem und den neuen Ministerpräsidenten.

 

Aljoscha

Indisches Essen schmeckt indisch!

Indisches Essen schmeckt indisch!

Wenn man in Indien unterwegs ist, findet man an jeder Ecke die verschiedensten Stände mit Essen. Süßkartoffeln, die verschiedensten Brote, Teigwaren  und Blätterteigtaschen. Händler sitzen inmitten ihrer unterschiedlichsten Gewürze in den verschiedensten Farben auf dem Boden und versuchen sich dadurch ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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Obststand am Straßenrand

Wie in Deutschland gibt es große Märkte mit viel Obst und Gemüse. Hier findet man alles, auf was man gerade Lust hat: Bananen, Äpfel, Ananas, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Gurken und Co.

Oft wollen uns Händler, manchmal sogar Kinder, ihr selbst gebackenes Brot verkaufen, das einem Knäckebrot ähnelt. Es sieht sehr verlockend aus, aber wir dürfen es leider nicht probieren. Die Devise lautet nichts von Marktständen zu essen, um unsere „empfindlichen“ europäischen Mägen nicht in Aufruhr zu versetzen. Schade eigentlich! Außerdem findet man sehr oft kleine frittierte Backwaren, die wie aufgeblähte Chips aussehen.

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Papad – Verkäuferinnen

An Snacks fehlt es in Indien nicht: Es gibt eine Riesenauswahl an Chips, pinker Zuckerwatte und Keksen, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. In Deutschland findet man massenweise Schokolade, doch hier scheint die Nachfrage vermutlich auch wegen der Temperaturen nicht so groß zu sein. Daher ist es ein Highlight, wenn wir Schokolade, vor allem von Rittersport, mitbringen.  Die quadratischen Tafeln haben wir übrigens in der Delikatessabteilung einer Mall zu umgerechnet 2,50 Euro entdeckt.

Inder lieben alles richtig süß. Alle Desserts, also Kuchen oder süße Stückchen, die wir bis jetzt probiert haben, waren so süß, dass wir sie gar nicht essen konnten. Auch im Tee sind vier Löffel Zucker ein Minimum. Kein Wunder, dass die Zeitungen vor einem dramatischen Anstieg an Diabetes in der indischen Bevölkerung warnen. Bis 2030 könnten 80 Millionen Inder unter dieser Krankheit leiden.

Die Auswahl an Speisen ähnelt sich im Hotel und in den Gastfamilien. Zum Fruehstück gibt es, wie zu jedem Essen, Chappati, ein Fladenbrot, manchmal gefüllt mit Kartoffeln und Kräutern, eine Art Kartoffelsalat mit grünem Chili und eine Art Milchreis. Natürlich gibt es sehr viel Toast und Marmelade, die uns allen aber viel zu süß ist. Obst gibt es nicht immer in den Gastfamilien, was den meisten wirklich fehlt. Außerdem gibt es Café und Chai Tee.

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Man bekommt bis zu sieben verschiedene „Snacks“ serviert, bevor das eigentliche Dinner kommt!

Das Mittag- und Abendessen ist ziemlich gleich. Es gibt immer Reis und Yoghurt mit den verschiedensten Soßen, wie zum Beispiel Linsensoße, Currysoße mit Kartoffelstücken und grünen Bohnen, Spinat mit Yoghurt und Schafskäse. Chapati darf natürlich auch hier nicht fehlen. Manchmal gibt es sogar chinesische Nudeln, die genauso gut wie in Deutschland schmecken. Und natürlich ist jedes Gericht mit ordentlich viel Curry und Chili gewürzt. Aber von Salat und Nudeln gibt es keine Spur.

Was natürlich auch in Indien nicht fehlen darf, sind Fast Food Restaurants wie Mc Donalds oder Pizza Hut. Nach einem unserer Ausflüge waren wir bei Mc Donalds essen und selbst dort kann man Veggie – oder Chickenburger mit viel Chili bestellen. Die Fastfoodketten lassen sich bei der Einführung ihrer Produkte auf dem indischen Markt beraten, welche Aromastoffe sie ihren Produkten zusetzen müssen, um den indischen Geschmack zu treffen.

Besonders auffällig ist, dass jede Mahlzeit frisch zubereitet wird, meistens Reis, Chappati und Kartoffeln dabei sind und eigentlich alles aus Kohlenhydraten besteht. Jedes Essen ist sehr gut gewürzt und im Original häufig zu scharf für uns.  Aber unsere Gastfamilien kochen so, dass wir auch essen können, ohne uns den Mund dabei zu verbrennen.

Die indische Küche ist also in vielerlei Hinsicht anders als die deutschen Küche. Ich finde sie nicht nur sehr interessant, sondern auch sehr, sehr lecker.

Sofia

 

Repeat!

Repeat!
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CBSE entspricht dem Abitur

Ein guter Abschluss in Klasse 12 bedeutet in Indien alles. Um in den standardisierten Tests möglichst gut abzuschneiden, besuchen viele indische Schüler nachmittags „tuition“, so eine Art privater Nachhilfe oder Vertiefungskurs. Mein Austauschschüler Harsh hat mich mal zu solch einem Kurs mitgenommen und ich war wirklich überrascht von diesem Unterricht!

Die Klasse war ungefähr so groß wie unsere in Deutschland, doch die Art zu unterrichten unterscheidet sich enorm. Zwei Schüler kamen zu spät zum Unterricht und durften sich zunächst einen 5 minütigen Vortrag der Lehrerin anhören, wie es denn sein könne, dass sie unpünktlich sind und wie wichtig Bildung in der heutigen Gesellschaft doch sei. Die Schüler sind enormem Druck ausgesetzt: Jede Woche gibt es einen Test und der Stoff wird innerhalb kürzester Zeit durchgezogen. Die ganze Zeit spricht die Lehrerin Regeln und Merksätze vor, die alle Schüler im Chor wiederholen. Diese Sätze werden dann anschließend aufgeschrieben und wehe man ändert auch nur ein Wort, dann zeigt die Lehrerin der ganzen Klasse das Heft und sagt,  dass man es so nicht machen soll und der Schüler muss alles noch einmal aufschreiben. Das heißt, der Unterricht (in diesem Fall der Physikunterricht) läuft wie folgt ab:

Lehrerin: Light is an electromagnetic wave which does not require any material medium. Repeat!
Schüler: Light is an electromagnetic wave which does not require any material medium.
Lehrerin: Light is what?
Schüler: An electromagnetic wave which does not require any material medium.

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Sarah folgt aufmerksam dem Unterricht

Dieses Spiel wiederholt sich dann gefühlte 50 Mal und dann kommt der nächste Merksatz. Ich finde, dass die Schüler in diesem Unterricht zu sehr unter Druck gesetzt werden und im Grunde  nur auswendig lernen ohne echtes Verständnis! Nur selten kommt mal eine Frage von den Schülern, die in die Tiefe geht und die kann von der Lehrerin auch nur halb zufriedenstellend beantwortet werden. Sogar ich, als „Mitbringsel“, musste mich aktiv beteiligen und danach meine Meinung zum Unterricht äußern, sonst könne sie nicht unterrichten, erklärt die Lehrerin, sie verlange von allen vollste Mitarbeit, auch von mir.

Alexander

Family made in India

Family made in India

Der Umgang in meiner indischen Familie ist sehr freundschaftlich, hilfsbereit und respektvoll. Dabei ist der Vater jedoch klar das Familienoberhaupt: Ruft er beispielsweise seinen Sohn, muss dieser sofort kommen. Außerdem hat er das Privileg zu essen, wo auch immer er sich gerade befindet. So kommt es oft vor, dass ihm das Essen zum Sofa oder gar ans Bett gebracht wird, damit er im Liegen weiter fernsehen kann. Die Kinder meiner Familie essen meist zusammen an einem Tisch und werden von der Mutter bewirtet. Sie ist Hausfrau, deshalb muss sie, sobald jemand aus der Familie etwas zu essen oder zu trinken fordert, schnell in die Küche. Die beiden Jungs in der Familie und das Mädchen sind ziemlich gleichberechtigt: Alle drei sollen in der Schule gute Noten schreiben, um später studieren oder direkt einen guten Beruf erlernen zu können.

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Königlicher Empfang der deutschen Gäste

Andere Verwandte, die auf Besuch kommen, werden sehr umsorgt, wobei die Frauen sich meist recht schnell in die Küche verziehen.“Der Gast ist König“, so lautet das höchste Gebot in der indischen Gesellschaft, da der Hinduismus vorschreibt, jeden Gast als Gott zu behandeln. Oft wird er daher mit etwas Kleinerem zu essen und einer Tasse Tee begrüßt. Mir ist aufgefallen, dass auch Fremde normalerweise mit großem Respekt und wie gute Freunde behandelt werden. Oft weiß ich nicht, ob sich zwei Inder schon lange kennen oder gerade nur miteinander reden. Dagegen werden bettelnde Kinder auf der Straße von meiner Familie einfach ignoriert, was für mich oft schwer zu ertragen ist.  Familienleben in Indien unterscheidet sich in vielen Punkten schon von dem, was wir aus Deutschland kennen.

Nico

Aus dem Leben eines Austauschschülers…

Aus dem Leben eines Austauschschülers…
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Eine der zahlreichen Götterstatuen

Bei den vielen Eindrücken, die man hier in Indien gewinnt, sind mir ein paar besonders in Erinnerung geblieben. Als ich mit meinem Austauschschüler von einem Ausflug in die Mall zurück nach Hause kam, standen zwei Männer bei den Eltern im Schlafzimmer und räumten einen verkokelten Schrank aus. Dort befanden sich alle Götterstatuen der Familie. Vermutlich hatten kaputte Kabel den Brand ausgelöst und fast der gesamte Inhalt war zerstört. Die Erklärung des Vaters für den Brand hat mich dann doch sehr erstaunt: Es sei ja bald Diwali und vor großen und wichtigen religiösen Festen könnten genau solche Sachen oft passieren. Er nahm es gelassen, fast schon amüsiert!

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„Teppichloch“

Außerdem ist mir aufgefallen, dass oftmals, gerade um Delhi herum, viele Autobahnen, um die sich mit der Zeit riesige Slums entwickelt haben, einfach auf hohe Brücken verlegt werden, welche direkt über die Armenviertel führen. Es scheint fast so, als würde die Regierung diese Teile möglichst unsichtbar machen wollen und im wahrsten Sinne des Wortes „unter den Teppich kehren“!

Allgemein ist Indien eine einzige, große Baustelle! Egal wo man hinfährt, werden irgendwelche Straßen verlegt oder ausgebaut, Brücken für die Metro gefertigt oder gigantische Wohnanlagen aus dem Boden gestampft. Doch vieles wird einfach nicht fertiggestellt! So stehen mitten auf der Straße irgendwelche unfertigen Pfeiler, die voller Graffiti sind oder deren Metallstangen schon wieder rosten.

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Lonely home

Ich werde hier ständig mit Neuem, Unbekannten, oft genug auch Unverständlichem konfrontiert. Genau das macht den Reiz Indiens für mich aus.

Alexander Bähr