Monthly Archives: Oktober 2015

Indiens Herausforderungen

Indiens Herausforderungen

Auf dem Weg mit dem Zug nach Jaipur circa. 270 km von Neu Delhi entfernt. Auf der Fahrt bekommen wir die Möglichkeit, das Leben entlang der Bahngleise aus dem Fenster zu betrachten. Dabei erblicken wir oft Menschen, die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. Unter den 1,2 Milliarden Menschen lebt ein großer Teil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Gleich zu Beginn unserer Zugreise sehen wir noch im Stadtkern von Neu Delhi Slums, die minutenlang an uns vorbei ziehen. Auch einige Zeit später – Neu Delhi liegt längst hinter uns – sehen wir Menschen auf dem Land, die in sehr bescheidenen Verhältnissen ihrem Alltag nachgehen. Geerntet wird von Hand, der Pflug wird von Ochsen gezogen.

Unter den unzähligen bezaubernden und wunderschönen Sehenswürdigkeiten Indiens fällt auch stets diese Kehrseite des riesigen Landes auf. Da wir selten so viel Armut gesehen haben, stimmen uns solche Bilder nachdenklich und bleiben im Gedächtnis haften.
Bereits bei der Ankunft am Indira Gandhi Flughafen atmen wir die stickige, staubige, stechende Luft voller Abgase ein. Der massive Straßenverkehr ist sicherlich zu einem großen Teil für die schlechte Luft verantwortlich. Außerdem stellen wir sehr schnell fest, dass viele Inder ihren Müll genau da entsorgen, wo sie gehen, stehen oder fahren. Auch der Busfahrer entledigt sich des Mülls gern mal aus dem Fenster. Man muss aber auch ehrlich zugeben, dass wir viel weniger Mülleimer sehen als in Deutschland. Das Problem ist altbekannt und die Regierung ist bemüht, eine Lösung dafür zu finden.

Eine Aufklärungsaktion, die die Regierung vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, wird auch von unseren beiden Partnerschulen unterstützt. Dabei gehen die Schüler mehrmals im Jahr zu den großen öffentlichen Plätzen, Parks oder in die umliegenden Dörfer und versuchen ihre Mitmenschen mit Plakaten und einfachen Parolen auf die Probleme der Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen und aufzuklären. Bei unserem Besuch an der Schule in Alipur (Vorort von Delhi) haben wir bei solch einer Aktion „Save The Planet – Clean India“ selbst teilgenommen. Robbi_Luki_1Wir sind mit den indischen Schülern zum nahegelegenen Dorf Palla gefahren, haben Plakate und Banner hochgehalten und sind durch die Dorfstraßen gezogen, um Aufmerksamkeit für das Problem zu erwecken. Das hat auch funktioniert – die Dorfbewohner sind alle aus ihren Häusern gelaufen und haben uns beobachtet. Diese sogenannten „Ralleys“ sind in Indien sogar im Lehrpan verankert und finden zu allen möglichen sozial brisanten Themen statt, wie auch „Save the Girl Child“ – eine Kampagne gegen das Abtreiben weiblicher Föten.

Das Thema Umwelt ist in unseren beiden Austauschschulen sehr präsent. Bei einem unserer Besuche stellen die indischen Schüler ihre Projekte zum Thema Umwelt vor. Es sind sehr aufwendige Exponate mit Ideen, wie man die Umwelt retten kann. Aber wir haben den Eindruck, dass die Schüler von ihren Projekten selbst nicht ganz überzeugt sind. Die Texte werden auswendig gelernt und herunter gerattert. Auf Nachfragen zum Projekt können die Schüler meist nicht eingehen. Trotzdem glauben wir, dass dies der richtige Weg ist. Durch solche Projekte und Aktionen wird die jüngere Generation sensibler für Umweltthemen und kann vielleicht irgendwann sichtbare Veränderungen bewirken.

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Eine der wenigen Kläranlagen

Für die Entsorgung der Massen an Müll müssen dringend neue Systeme entwickelt werden. Wir beobachten, dass der Grad der Verschmutzung meist in direkter Verbindung mit der Armut steht. Die Bewohner, die in ärmlicheren Verhältnissen leben, haben keinen Anschluss an die Kanalisation. Das Abwasser landet zusammen mit dem Müll direkt auf der Straße, was die Lebensbedingungen der Menschen weiter verschlechtert. Bei unseren Gastfamilien, die häufig in modernen Wohnanlagen leben, tritt dieses Problem nicht auf.

Armut und Umweltverschmutzung bleiben große Herausforderungen für Indien. Es gibt zwar den eindeutigen Willen, diese Situation zu verbessern, doch müssen die Anstrengungen unserer Meinung nach noch weiter verstärkt werden. Es wird ein langer Prozess sein, der viel Engagement und Arbeit erfordert. Das wichtigste dabei ist ein Umdenken in der indischen Bevölkerung. Und deshalb ist, wie in so vielen Fällen, die Bildung so wichtig, um diese Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Lukas und Robert

Gechillt im Hupkonzert

Gechillt im Hupkonzert

Der Straßenverkehr in Indien unterscheidet sich in vielen Aspekten von dem in Deutschland. In Deutschland gibt es klare Verkehrsregeln, an die sich jeder halten muss und meist auch hält. In Indien scheint sich kaum ein Verkehrsteilnehmer um irgendwelche Regeln zu scheren. Ständig gibt es Staus und zumindest aus unserer westlichen Sicht ein totales Verkehrschaos, das uns definitiv zur Verzweiflung bringt. Wir Deutschen werden schnell nervös oder ärgern uns maßlos, wenn wir im Stau stehen. In Indien nimmt man es total gelassen. So plant man mehr Zeit ein, um ans Ziel zu kommen – oder auch nicht. Pünktlichkeit ist in Indien keine hohe Tugend wie in Deutschland und Verspätungen sind meist kein Grund zum Ärger.
Niki_6578_1Außerdem könnte man vermuten, dass die vielen Verkehrsbehinderungen wie zum Beispiel langsame Fahrzeuge oder Tiere, die die Fahrbahn blockieren, die Fahrer ärgern oder nerven könnten. Doch da für Inder freie Fahrt tatsächlich eine Ausnahme ist, regt sich hier niemand über eine Kuh auf, die im Weg steht. Man nimmt es gelassen und findet meist schnell einen Weg, die Fahrt fortzusetzen.
Außerdem benutzen Inder ständig die Hupe. In Deutschland ist es oft ein Zeichen von Ärger oder Wut, wenn die Hupe ertönt und man hört sie eher selten. Für indische Autofahrer ist die Hupe allerdings eher ein Mittel, auf sich aufmerksam zu machen oder Fußgänger und langsamere Fahrzeuge, die sich im Weg befinden, zu warnen. Der enorme Lärmpegel des indischen Straßenverkehrs lässt daher keinen Rückschluss auf aggressive oder wütende Verkehrsteilnehmer zu.
Hinzu kommt, dass indische Straßen häufig wenig komfortabel sind. Sie sind voller Schlaglöcher oder von Müll und Geröll bedeckt. In Deutschland beklagen wir uns sehr schnell über den angeblich schlechten Zustand unserer Straßen. Inder hingegen machen sich daraus eher einen Spaß als dass sie sich darüber beschweren. Die Kinder im Schulbus sagen beispielsweise, auf indischen Straßen zu fahren, wäre wie in einer Achterbahn zu sitzen.
Das Missachten vieler Verkehrsregeln oder das Fahren von oft merkwürdig anmutenden Fahrzeugen führt aber nicht nur zu Behinderungen, sondern auch zu vielen Unfällen.
So wurden wir, als wir im Schulbus saßen, von einer Rikscha gerammt und konnten einen Auffahrunfall beobachten. Trotz einiger Schrammen und Beulen blieben alle Unfallbeteiligten ruhig oder lachten sogar mit dem anderen Fahrer über den Unfall. Die Polizei wurde natürlich nicht hinzugezogen.
Inder sind im Straßenverkehr wesentlich entspannter als wir Deutsche. Da könnten wir uns doch einiges von den indischen Autofahrern abgucken.

Niclas

„One – Two! One – Two – Three!“

„One – Two! One – Two – Three!“

Besuch bei der City Wing Rishikul in Sonepat. Ungefähr 1½ Stunden braucht der Bus, um sich aus New Delhi durch die verstopften Straßen ins 40 km entfernte Sonepat zu schlängeln. Der Empfang an der Schule – im typischen Rishikul Grün – ist wie immer herzlich. Einige der Schüler hatten wir schon am Vortag bei einer Sightseeing Tour getroffen. So kommen wir schnell miteinander ins Gespräch.
IMG_6101_1Zuerst werden wir durch die Schule geführt und von vielen Schülern mit neugierigen, aber freundlichen Blicken bestaunt. Wir besuchten die kleinen Kindergartenkinder, die für uns tanzen und singen. „Interaction“ ist das Stichwort und wir bemühen uns nach Kräften mitzutanzen und mitzusingen. S.K. Sharma, der weißhaarige Schulgründer, Mitte 70 mit unglaublicher Energie, hätte es auch gar nicht anders erlaubt. Ständig fordert er zum „Clapping“ (Klatschen) auf, wenn ihm das Ganze zu lahm erscheint: „one, two – clap, one, two, three – clap“
Dann besuchen wir eine von Schülern vorbereitete Ausstellung zum Thema Umweltverschmutzung. Die Schüler haben im „Science“- Unterricht (entspricht etwa unserem NWT) sehr schöne, teils komplizierte und interessante Modelle entwickelt, die zeigen, wie man die Umwelt besser schützen kann. Zudem haben sie Präsentationen vorbereitet, um uns ihre kreativen Modelle näherzubringen. Es gibt Themen wie zum Beispiel einen umweltschützenden Feueralarm oder ein Boot, das sich allein durch magnetische Kräfte fortbewegen kann. Jedes Modell ist gut überlegt und man sieht, wie viel Mühe und Handarbeit die Schüler da investiert haben.
IMG_6147_1In Indien geht nichts ohne Geschenke und auch hier bekommt jeder von uns eine Tasse mit Gruppenbild sowie selbst gebastelte „Dias“, kleine Kerzenständer, die zum Lichterfest Diwali alle Häuser schmücken.
Später werden wir auf die einzelnen Klassen verteilt. Zwischen 30 und 40 Schülern sitzen in den Klassenzimmern – getrennt nach Jungen und Mädchen. Die Schüler und die Lehrer sind sehr offen und stellen uns Fragen, die nicht immer leicht zu beantworten sind. Das Themenspektrum reicht von Hitler bis zur Bundesliga. Auch wir dürfen Fragen stellen und sie erzählen uns vom Kastensystem und den traditionellen Festen Indiens.
Es wird deutlich, wie sehr Lehrer und Schüler sich über unseren Besuch freuen und wie gut sie ihn vorbereitet haben.
Unterschiede zur Venkateshwar Global School in Neu Delhi gibt es schon: die Klassen sind deutlich größer, die Ausstattung ist eindeutig weniger modern. Die Lehrer hier scheinen zumindest bei unserem Besuch etwas weniger streng als die in der Großstadt.

Nadja

Hochzeitsmarathon

Hochzeitsmarathon

Wir hatten das große Glück, eine indische Hochzeit miterleben zu dürfen. Ein einmaliges Erlebnis, an das wir uns immer erinnern werden. Der Hochzeitstermin Mitte Oktober ist ungewöhnlich. Eigentlich beginnt die Hochzeitssaison erst nach dem Lichterfest Diwali im November. Leider konnten wir nur einen winzigen Teil der ganzen Zeremonie mitbekommen, denn eine indische Hochzeit wird 3-7 Tage lang gefeiert. Aus diesem Grund wird für die Gäste in den meisten Fällen gleich ein ganzes Resort gebucht, in dem man feiert und übernachtet. IMAG3007_1Es wird den ganzen Tag von früh bis spät durchgefeiert. Die Gäste können kommen und gehen, wann sie wollen. Die eigentliche Zeremonie wird dann allerdings meist nur im engsten Familienkreis gefeiert. Es gibt viele religiöse wie auch nichtreligiöse Traditionen, die sich regional stark unterscheiden. Stammen Braut und Bräutigam aus unterschiedlichen Regionen, ist viel Verhandlungsgeschick erforderlich, um die Vorstellungen der beiden Familien auf einen Nenner zu bringen. Der Hauptteil der Hochzeit dauert nur einen Abend lang. Dann wird für das Brautpaar gebetet, dass sie eine glückliche und erfüllte Ehe führen und Kinder bekommen. Außerdem wirft die Braut, wenn sie zu Beginn der Hochzeit ihr Elternhaus verlässt, Reis hinter sich. Die Mutter muss hinter ihr stehen und versuchen, den Reis mit ihren Kleidern aufzufangen. Dies soll Wohlstand und Unterstützung der Mutter symbolisieren.
IMAG3022_1Im Gegensatz zu einem weißen deutschen Brautkleid, trägt die Braut einen schweren roten Rock, einen sogenannten Lenghia, sowie Schmuck am ganzen Körper. Ihre beiden Arme werden bis zu den Schultern mit Henna-Tattoos versehen, ebenso die Beine, je nach Wunsch der Braut bis zu den Knien. Der Bräutigam steckt in einem Sherwani in rot oder beige, desweiteren trägt er an beiden Handinnenflächen Henna-Tattoos. Oft reitet der Bräutigam unter lauten Trommelwirbeln und begleitet von vielen Angehörigen auf einem Pferd, einem Elefanten oder einem Kamel in die Hochzeitsgesellschaft. Es gibt auch ein Hochzeitsauto, das deutlich auffälliger geschmückt ist als in Deutschland. Es tanzt nicht einfach jeder, wann er Lust hat, wie man vielleicht denken könnte. Es wird nur in formalen Aufführungen getanzt. Alles in allem ist eine indische Hochzeit größer, bunter und vielfältiger als eine deutsche. Der Kostenpunkt einer Durchschnittshochzeit des Mittelstands: 100.000 Euro, zu bezahlen von den Eltern der Braut. Nach oben gibt es natürlich keine Grenzen. Die legendäre Mitgift für die Braut ist inzwischen offiziell verboten, aber man hört, dass noch immer häufig genug Geld fließt. Nach wie vor sind die meisten indischen Hochzeiten arrangiert, allerdings lernen sich Braut und Bräutigam inzwischen meist im Vorfeld kennen und entscheiden dann selbst, ob sie wirklich zueinander passen.

Jenny, Kristin und Johanna

Landleben

Landleben

Am Wochenende werde ich von meiner bisherigen „indischen Welt“ in eine ganz andere gebracht: Ich besuche meine Austauschpartnerin Muskan in ihrem Haus in Sonepat, ca. 40 km nördlich von New Delhi gelegen, und darf somit das indische Landleben kennenlernen, das so ganz anders ist als das (Haupt) Stadtleben!
DSCN8054Da ich meine Austauschschülerin zum ersten Mal seit Monaten wiedersehen werde, bin ich total aufgeregt: Wie wird es sein? Wie ist ihre Familie? Wie lebt sie? Als ich sie letztendlich treffe, sind wir beide einfach sehr glücklich! Ihre Familie nimmt mich sofort liebevoll auf und ich fühle mich gleich zu Hause bei all der Fürsorge und Freundschaft, mit der sie mich umsorgen. Durch ihre Offenheit ist es auch überhaupt kein Problem, die Familie näher kennen zu lernen und sich willkommen zu fühlen. Sie erzählen mir sehr viel über ihre Traditionen, geben mir leckeres indisches Essen und zeigen mir, wie man es richtig isst: in den Händen das Brot (chapatti) halten und damit die Currys aufnehmen und zum Mund führen. Sie nehmen mich mit zu ihrem Tempel, gehen mit mir auf dem Markt einkaufen und besuchen mit mir Familie und Verwandte.
Meine Lebenswelt in Sonepat unterscheidet sich deutlich von der in der Stadt: Das Haus von Muskan sieht ganz anders aus als die riesige Wohnung, in der ich bisher in Delhi wohnte. Es gibt einen winzigen „Vorhof“ hinter einem Tor, das ganz zugebaut ist und eher als Mini-Garage für die Mofas („Scooties“) benutzt wird. Ich betrete das Haus, das keine richtige Tür hat, sondern ein Gitter wie wir es von Einkaufsläden kennen. Obwohl immerhin ein komplettes Haus zur Verfügung steht, spielt sich das ganze Leben auf kleinstem Raum im Erdgeschoss ab. Muskan hat ein eigenes kleines Zimmer. Dazu gibt es noch das Zimmer der Eltern, in dem auch der kleine Bruder lebt, und ein weiteres für die Großeltern, da in der indischen „joint family“ die Frau in das Haus des Mannes einzieht und dessen Eltern weiterhin dort leben. In der Ecke hinten ist die kleine Küche, in der es anders als in Deutschland keine Schränke gibt, die dafür aber einen kleinen Tempel besitzt. Im Flur Richtung Küche steht der Kühlschrank und ein Waschbecken, an dem wir uns die Hände waschen oder die Zähne putzten. Die Toilette ist nicht im Haus, sondern direkt vor der „Haustüre“ an der Seite des „Vorhofes“. Einen Esstisch im Haus sucht man vergeblich – wir essen mal in Muskans Zimmer, mal im Zimmer der Eltern auf einem kleinen Tisch oder dem Boden.
DSCN8089Für mich ist es sehr interessant, diesen einfachen Lebensstyl selber erleben und leben zu dürfen. Zu sehen, wie wenig man eigentlich braucht, um sich wohlfühlen zu können. Die Zeit zusammen genießen und aus den einfachen Dingen etwas Schönes machen, wie zum Beispiel miteinander zu reden und gemeinsam neue Dinge zu entdecken. Und zu sehen, wie gut es sich auch ohne 3G, Internet und WiFi leben lässt.

Irene

Wertvolles Wasser

Wertvolles Wasser

Morgens nach dem Aufstehen unter die Dusche und das angenehme, warme Wasser auf der Haut spüren, sich entspannen und sauber gewaschen in den Tag starten? Wir deutschen Austauschschüler wünschen uns das, sobald wir aufwachen und feststellen, dass der ganze Körper noch immer wegen des Mückensprays, der Sonnencreme, Staub und Schweiß klebt und sich der Pyjama nur langsam von der Haut löst. Aber egal, wie sehr man sich eine angenehme Dusche am Morgen wünscht, für die meisten von uns ist und bleibt das ein Traum in Indien. Um beim Duschen sauber zu werden muss man kreativ und spontan sein.

Hier fünf verschiede Typen von Duschen, die wir bis jetzt in Indien angetroffen haben:
1. Die Luxusdusche
Die Dusche ist purer Luxus. Alles funktioniert und ist besser als die meisten Duschen in Deutschland. Sanfte Dusche mit Musik und Lichteffekten – kein Problem! Ein absoluter Glücksfall und man schwelgt im Duschparadies!
2. Regendusche
Die Dusche sieht normal aus und funktioniert auch normal, aber manchmal fallen nur noch ein paar Tropfen von oben herunter. Man fühlt sich wie in einem leichten Regen, was zu morgendlichen Entspannung beitragen kann. Aber die Haare werden nur langsam nass und das Shampoo lässt sich nur schwer auswaschen.
3. Kleine Dusche
Die Dusche funktioniert ganz normal, ist aber etwas zu klein, sodass man sich bücken muss, um ganz unter den Wasserstrahl zu passen. Da kann man beim morgendlichen Duschen gleich noch den Morgensport integrieren.

Baden in heiligen Gewässern des Gurudwara

Baden in heiligen Gewässern des Gurudwaras

4. Kaltes Wasser
Diese Duschform kann mit jeder anderen Duschform kombiniert werden, denn bei der kalten Dusche wird das Wasser einfach nicht warm oder sehr plötzlich kalt. Aber kalt duschen soll ja ziemlich gesund sein und bei den warmen Temperaturen tut eine kalte Dusche durchaus gut.
5. Trockendusche
Diese Duschform lässt die Laune schlagartig sinken, denn hier kommt kein Tropfen Wasser aus der Dusche. Aber nicht verzagen, denn das ist meistens kein Dauerzustand. Oftmals kann man einen Tag später schon wieder duschen.
In Indien selbst ist unsere Art zu duschen nur in der jüngeren Generation verbreitet (wenn sie die Voraussetzungen dafür haben). Klassischerweise nimmt man hier ein Bad mit dem Eimer. Ein riesiger Eimer wird mit Wasser gefüllt, man setzt sich auf einen kleinen Plastikschemel, seift sich ein und wäscht dann alles mit einem großen Becher, den man immer wieder in den Eimer taucht, ab.
Was aber machen die vielen Inder, die gar kein fließendes Wasser geschweige denn ein Badezimmer zur Verfügung haben?

Wenn wir mit dem Bus durch Delhi fahren, sehen wir viele Menschen, die am Straßenrand wohnen. Manchmal sieht man, wie sie baden. Wenn möglich, nutzen sie einen Fluss. Das Wasser ist schwarz, oft treiben leere Plastikflaschen auf der Oberfläche, trotzdem baden die Menschen darin. Es gibt auch öffentliche Wasserhähne, an denen die Menschen sich waschen. Oder ein ganzer Haushalt benutzt gemeinsam eine mit Wasser gefüllte Wanne.
Egal, wie man duscht oder badet, in den meisten Fällen ist das Wasser nicht sauber. Oftmals sieht man es nicht, aber man weiß es. Wir dürfen das Wasser aus der Leitung weder zum Zähneputzen benutzen noch trinken. Sauberes Wasser findet man nur in Flaschen und auch da muss man aufpassen und darauf achten, dass die Flasche verschlossen ist.
Durch unseren Aufenthalt hier hat Duschen und der Luxus von sauberem Trinkwasser aus dem Hahn eine völlig neue Bedeutung bekommen. Ich werde es zu schätzen wissen, wenn ich das nächste Mal die Dusche andrehe und wie selbstverständlich sauberes, warmes Wasser aus dem Duschkopf strömt.

Johanna

Gandhiji

Gandhiji

Rajghat – der Ort an dem Mahatma Gandhi verbrannt wurde. Die Inder nennen ihn häufig respektvoll Gandiji als Zeichen großer Verehrung. Wir laufen durch einen Park, ziehen wie immer, wenn wir einen heiligen Ort erreichen, die Schuhe aus und blicken mit Ehrfurcht auf den dunklen Granitstein, auf dem Gandhis letzte Worte, übersetzt „Oh Gott“, eingraviert sind. Die einzigen Farbtupfer sind die orangenen Marigold-Girlanden, die auf dem Stein liegen. Für uns ist der Ort interessant, für die indischen Besucher ist es ein echter Wallfahrtsort.
IMG_6061_1Ich habe den Eindruck, dass Gandhis Lebenswerk zumindest in Teilen der indischen Gesellschaft nachwirkt und so manche Problemlösungsstrategie auf ihn zurückzuführen ist.
Ein Beispiel aus dem Alltag, das ich typisch finde: Mein Austauschpartner Shivam und ich sind nicht immer einer Meinung , meistens in der Frage, ob ich eventuell noch hungrig sein könnte. Er fragt immer besonders höflich nach, ob ich nicht doch noch hungrig sei. Und wenn ich nach fünfmaligem „Nein“ bereits leicht genervt klinge, kommt immer noch ein extrem höfliches „Would you like to eat something?“. Dieser sanfte, aber äußerst hartnäckige Verhandlungsstil erinnert mich sehr an Gandhis Taktik.
Ein großes Anliegen Gandhis, die Beseitigung des Katensystems, ist ihm leider nicht ganz gelungen. Es existiert immer noch, inoffiziell zwar, aber Menschen aus den unteren Kasten werden eindeutig anders behandelt als die aus höheren Kasten. Wird ein Mädchen verheiratet, ist es immer noch üblich, den Partner ausschließlich innerhalb der eigenen Kaste zu suchen. In meinem Haus hier gibt es ein Hausmädchen, das aus einer unteren Kaste stammt. Und als ich Shivam frage, warum Menschen wie das Hausmädchen von Geburt an ein schlechteres Leben führen, war die Antwort „because its tradition“. Seit 60 Jahren gibt es bereits ein Quotensystem, das Indern, die zu niedrigeren Kasten gehören, Zugang zu Bildung und Staatsämtern ermöglicht. Nicht zuletzt Präsident Modi selbst hat davon profitiert. Dennoch haben wir den Eindruck, dass Kastenzugehörigkeit noch immer einen starken Einfluss auf den Lebensweg hat. In diesem Punkt hat sich Gandhijis Traum wohl noch nicht erfüllt.

Georgios

Bauchfrei ist züchtig

Bauchfrei ist züchtig

Indische Kleidungsregeln sind so vielfältig wie fast alles in diesem Land. Ein Beispiel: Der Annual Day (riesige Schulveranstaltung mit ungefähr 2000 Zuschauern im „Schulhof“) wurde von zwei 10-jährigen indischen Mädchen im Leopardenkleid und weißem Coco-Chanel Kostüm mit Minirock moderiert. Von den hochhackigen Schuhen bis zur Edelclutch passte alles zum Outfit. Angesichts solcher Mini-Vamps stellt sich doch die Frage, ob züchtige Kleidung in Indien wirklich so hoch gehalten wird, wie man in Deutschland glaubt. Im Fernsehen wird munter Werbung für Dessous gemacht, angeblich gibt’s auch Werbespots für Kondome.
IMG_6134_1Wir wurden noch in Deutschland gewarnt, dass man sich nicht freizügig kleiden darf, dass zum Beispiel kurze Hosen und Kleider nicht angemessen seien. Bisher ist uns jedoch aufgefallen, dass dieses Klischee nur in Teilen erfüllt wird. Selbst die traditionellen Sarees zeigen äußerst viel nackten Bauch (anders als bei uns ist ein nackter Bauch hier ganz offensichtlich nicht „unziemlich“) und die dazu passenden „blouses“ sind durchaus körpernah geschneidert. Ausserdem tragen viele – vor allem junge – Inderinnen auch figurbetonte Klamotten wie zum Beispiel Leggins unter den Kurtis oder auch ärmellose Tops. Dann wiederum sieht man auf dem Land stark verhüllte Frauen, die sich sogar einen Schleier vors Gesicht halten, sobald sie uns sehen.
Wir machen die Erfahrung, dass es unseren indischen Austauschpartnerinnen durchaus wichtig ist, dass wir Deutsche uns angemessen kleiden. Sie versuchen unablässig, unsere Kleidungsstücke wieder zurechtzurücken, sobald diese aus Versehen etwas verrutschen. Entblößt das T-Shirt beim Bücken zu viel nackte Haut am Rücken, ziehen sie es sofort wieder nach unten. Ebenso, wenn das T- Shirt zur Seite rutscht und man den BH-Träger sieht. Man hat den Eindruck, dass unsere „angemessene“ Kleidung ihnen mehr am Herzen liegt als die eigene. Gleich am ersten Tag waren wir überrascht über die Schuluniform unserer Austauschpartnerinnen. Sie tragen einen knielangen Rock, der die Beine offen zeigt. Zum Tanzen tragen sie kurze Leggins darunter, da es vorkommen kann, dass der Rock hochfliegt.
IMG_6434_1Indische Kleidungsvorschriften bleiben uns ein Rätsel. Wir versuchen uns anzupassen und sobald wir einen entsetzten Blick wahrnehmen, entscheiden wir uns schnell für andere Klamotten oder ziehen den Schal etwas enger um die Schultern. Allerdings sehen wir genügend Touristen auf den Straßen, die sich um indische Empfindlichkeiten in Kleidungsfragen wenig kümmern. Von Hotpants bis Männern im Schottenrock (bei 37 Grad!) sieht man so ziemlich jeden westlichen Stil in den touristischen Ecken Neu Delhis.

Kristin

Indien findet den Superstar.

Indien findet den Superstar.

Wolltest du auch schon immer mal berühmt sein und von allen bewundert werden? Aber du hast vielleicht nicht die schönste Stimme oder dir fehlt das gewisse schauspielerische Talent. Du weißt einfach nicht, wie du es anstellen sollst, damit du die volle Aufmerksamkeit aller Leute bekommst?
Dann haben wir genau das Richtige für dich! Es ist ganz einfach und du braucht kein außergewöhnliches Talent zu besitzen.
In nur zwei Schritten wirst du zum Superstar.
1. Voraussetzung: Helle Haut, blonde Haare
2. Reise nach Indien
Hättest du auch nicht gedacht, dass es so einfach ist, deinen Wunsch zu erfüllen?
Von Natur aus haben nämlich die Mehrzahl der Inder braune Augen, dunkelbraune bis schwarze Haare und einen ebenso dunklen Teint. Oft haben sie noch nie oder nur selten Touristen gesehen. Es ist also etwas ganz Besonderes, wenn plötzlich jemand mit heller Haut, blauen Augen und blonden Haaren in der Menschenmenge steht. Für viele Inder ist das eine neue Erfahrung und eine solche Attraktion, dass sie sofort festgehalten werden muss, um sie überall verbreiten zu können.

Superstar Jenny und Kristin

Superstar Jenny und Kristin

Um aber beweisen zu können, dass sie einen Europäer gesehen haben, ist „Selfietime“ angesagt und das in jeder Variante und Pose. Einmal stehst du links, dann rechts, dann liegst du plötzlich auf dem Boden, egal wie, wo und wann – Hauptsache der Beweis ist erbracht.
Um ihr Ziel zu erreichen, tun sie alles: Sie zeigen mit dem Finger auf dich, schauen dich mit großen Kulleraugen an, sind zu schüchtern, dich anzusprechen und machen deshalb ohne zu fragen Bilder und Videos von dir. Sie wollen dich anfassen, dir die Hand geben und schenken dir teilweise auch noch Kleinigkeiten. Womöglich wollen sie auch noch mit dir reden und sind überglücklich, wenn sie sich selbst überwinden können, dich anzusprechen. Das Highlight ist natürlich, wenn sie dich anbetteln, ihnen ein Autogramm von dir zu geben! Du fühlst dich dort also voll und ganz wie ein riesengroßer Superstar.
Ein Superstar zu werden ist also gar nicht so schwierig wie du vielleicht dachtest, ganz im Gegenteil. Denn eigentlich bist du schon ein Superstar, nur bist du eben leider am falschen Ort.
Also rein ins Flugzeug und ab geht`s nach Indien.

Aylin