Gechillt im Hupkonzert

Gechillt im Hupkonzert

Der Straßenverkehr in Indien unterscheidet sich in vielen Aspekten von dem in Deutschland. In Deutschland gibt es klare Verkehrsregeln, an die sich jeder halten muss und meist auch hält. In Indien scheint sich kaum ein Verkehrsteilnehmer um irgendwelche Regeln zu scheren. Ständig gibt es Staus und zumindest aus unserer westlichen Sicht ein totales Verkehrschaos, das uns definitiv zur Verzweiflung bringt. Wir Deutschen werden schnell nervös oder ärgern uns maßlos, wenn wir im Stau stehen. In Indien nimmt man es total gelassen. So plant man mehr Zeit ein, um ans Ziel zu kommen – oder auch nicht. Pünktlichkeit ist in Indien keine hohe Tugend wie in Deutschland und Verspätungen sind meist kein Grund zum Ärger.
Niki_6578_1Außerdem könnte man vermuten, dass die vielen Verkehrsbehinderungen wie zum Beispiel langsame Fahrzeuge oder Tiere, die die Fahrbahn blockieren, die Fahrer ärgern oder nerven könnten. Doch da für Inder freie Fahrt tatsächlich eine Ausnahme ist, regt sich hier niemand über eine Kuh auf, die im Weg steht. Man nimmt es gelassen und findet meist schnell einen Weg, die Fahrt fortzusetzen.
Außerdem benutzen Inder ständig die Hupe. In Deutschland ist es oft ein Zeichen von Ärger oder Wut, wenn die Hupe ertönt und man hört sie eher selten. Für indische Autofahrer ist die Hupe allerdings eher ein Mittel, auf sich aufmerksam zu machen oder Fußgänger und langsamere Fahrzeuge, die sich im Weg befinden, zu warnen. Der enorme Lärmpegel des indischen Straßenverkehrs lässt daher keinen Rückschluss auf aggressive oder wütende Verkehrsteilnehmer zu.
Hinzu kommt, dass indische Straßen häufig wenig komfortabel sind. Sie sind voller Schlaglöcher oder von Müll und Geröll bedeckt. In Deutschland beklagen wir uns sehr schnell über den angeblich schlechten Zustand unserer Straßen. Inder hingegen machen sich daraus eher einen Spaß als dass sie sich darüber beschweren. Die Kinder im Schulbus sagen beispielsweise, auf indischen Straßen zu fahren, wäre wie in einer Achterbahn zu sitzen.
Das Missachten vieler Verkehrsregeln oder das Fahren von oft merkwürdig anmutenden Fahrzeugen führt aber nicht nur zu Behinderungen, sondern auch zu vielen Unfällen.
So wurden wir, als wir im Schulbus saßen, von einer Rikscha gerammt und konnten einen Auffahrunfall beobachten. Trotz einiger Schrammen und Beulen blieben alle Unfallbeteiligten ruhig oder lachten sogar mit dem anderen Fahrer über den Unfall. Die Polizei wurde natürlich nicht hinzugezogen.
Inder sind im Straßenverkehr wesentlich entspannter als wir Deutsche. Da könnten wir uns doch einiges von den indischen Autofahrern abgucken.

Niclas

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