Indiens Herausforderungen

Indiens Herausforderungen

Auf dem Weg mit dem Zug nach Jaipur circa. 270 km von Neu Delhi entfernt. Auf der Fahrt bekommen wir die Möglichkeit, das Leben entlang der Bahngleise aus dem Fenster zu betrachten. Dabei erblicken wir oft Menschen, die in sehr ärmlichen Verhältnissen leben. Unter den 1,2 Milliarden Menschen lebt ein großer Teil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Gleich zu Beginn unserer Zugreise sehen wir noch im Stadtkern von Neu Delhi Slums, die minutenlang an uns vorbei ziehen. Auch einige Zeit später – Neu Delhi liegt längst hinter uns – sehen wir Menschen auf dem Land, die in sehr bescheidenen Verhältnissen ihrem Alltag nachgehen. Geerntet wird von Hand, der Pflug wird von Ochsen gezogen.

Unter den unzähligen bezaubernden und wunderschönen Sehenswürdigkeiten Indiens fällt auch stets diese Kehrseite des riesigen Landes auf. Da wir selten so viel Armut gesehen haben, stimmen uns solche Bilder nachdenklich und bleiben im Gedächtnis haften.
Bereits bei der Ankunft am Indira Gandhi Flughafen atmen wir die stickige, staubige, stechende Luft voller Abgase ein. Der massive Straßenverkehr ist sicherlich zu einem großen Teil für die schlechte Luft verantwortlich. Außerdem stellen wir sehr schnell fest, dass viele Inder ihren Müll genau da entsorgen, wo sie gehen, stehen oder fahren. Auch der Busfahrer entledigt sich des Mülls gern mal aus dem Fenster. Man muss aber auch ehrlich zugeben, dass wir viel weniger Mülleimer sehen als in Deutschland. Das Problem ist altbekannt und die Regierung ist bemüht, eine Lösung dafür zu finden.

Eine Aufklärungsaktion, die die Regierung vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat, wird auch von unseren beiden Partnerschulen unterstützt. Dabei gehen die Schüler mehrmals im Jahr zu den großen öffentlichen Plätzen, Parks oder in die umliegenden Dörfer und versuchen ihre Mitmenschen mit Plakaten und einfachen Parolen auf die Probleme der Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen und aufzuklären. Bei unserem Besuch an der Schule in Alipur (Vorort von Delhi) haben wir bei solch einer Aktion „Save The Planet – Clean India“ selbst teilgenommen. Robbi_Luki_1Wir sind mit den indischen Schülern zum nahegelegenen Dorf Palla gefahren, haben Plakate und Banner hochgehalten und sind durch die Dorfstraßen gezogen, um Aufmerksamkeit für das Problem zu erwecken. Das hat auch funktioniert – die Dorfbewohner sind alle aus ihren Häusern gelaufen und haben uns beobachtet. Diese sogenannten „Ralleys“ sind in Indien sogar im Lehrpan verankert und finden zu allen möglichen sozial brisanten Themen statt, wie auch „Save the Girl Child“ – eine Kampagne gegen das Abtreiben weiblicher Föten.

Das Thema Umwelt ist in unseren beiden Austauschschulen sehr präsent. Bei einem unserer Besuche stellen die indischen Schüler ihre Projekte zum Thema Umwelt vor. Es sind sehr aufwendige Exponate mit Ideen, wie man die Umwelt retten kann. Aber wir haben den Eindruck, dass die Schüler von ihren Projekten selbst nicht ganz überzeugt sind. Die Texte werden auswendig gelernt und herunter gerattert. Auf Nachfragen zum Projekt können die Schüler meist nicht eingehen. Trotzdem glauben wir, dass dies der richtige Weg ist. Durch solche Projekte und Aktionen wird die jüngere Generation sensibler für Umweltthemen und kann vielleicht irgendwann sichtbare Veränderungen bewirken.

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Eine der wenigen Kläranlagen

Für die Entsorgung der Massen an Müll müssen dringend neue Systeme entwickelt werden. Wir beobachten, dass der Grad der Verschmutzung meist in direkter Verbindung mit der Armut steht. Die Bewohner, die in ärmlicheren Verhältnissen leben, haben keinen Anschluss an die Kanalisation. Das Abwasser landet zusammen mit dem Müll direkt auf der Straße, was die Lebensbedingungen der Menschen weiter verschlechtert. Bei unseren Gastfamilien, die häufig in modernen Wohnanlagen leben, tritt dieses Problem nicht auf.

Armut und Umweltverschmutzung bleiben große Herausforderungen für Indien. Es gibt zwar den eindeutigen Willen, diese Situation zu verbessern, doch müssen die Anstrengungen unserer Meinung nach noch weiter verstärkt werden. Es wird ein langer Prozess sein, der viel Engagement und Arbeit erfordert. Das wichtigste dabei ist ein Umdenken in der indischen Bevölkerung. Und deshalb ist, wie in so vielen Fällen, die Bildung so wichtig, um diese Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Lukas und Robert

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