Cashtag – MirGehtsGucci (by Benedikt K.)

Cashtag – MirGehtsGucci (by Benedikt K.)

Morgens aufwachen im eigenen Bett, danach die warme Regendusche genießen und darauf mit dem Gucci Handtuch abtrocknen.

So sieht mein Morgen aus. Abends vor dem Schlafengehen noch eine Massage in einem exklusiven Club. Nicht unbedingt die Vorstellung, die man üblicherweise mit Indien verbindet. Auch die bisherigen Blogeinträge der Indienfahrer haben mich darauf nicht unbedingt vorbereitet. Bei den ersten Gesprächen mit meinen deutschen Mitschülern stellt sich auch schnell heraus, dass es da doch deutliche Differenzen zum Lebensstandard der anderen Gastfamilien gibt. Und auch generell fällt sofort auf, dass die Schere zwischen Arm und Reich in der indischen Gesellschaft riesig ist. Dazu kommt, im Gegensatz zu unserem „Schwäbischen-Lifestyle“, zeigt die obere Schicht in Indien sehr gerne was sie hat. Schmuck, Kleidung, Häuser – man sieht den finanziellen Hintergrund sofort. Da steht dann der nagelneue Porsche Panamera umzingelt von Fahrrad Rikshas vor der Mall.
Etwas abgeben von dem Überfluss? ;- ) Ist hier wohl eher weniger üblich, obwohl es natürlich schon eine Menge Hilfsorganisationen gibt, die durch Spenden unterstützt werden.

Sammelbox für Rotis

Auch viele der Schüler der Venkateshwar School bringen täglich drei Rotis (rundes Fladenbrot) mit, die gesammelt und an die Armen in der Straße verteilt werden.

Das führt nicht nur zu unterschiedlichen Lebensumständen, sondern auch zu starken Differenzen bei der Bildung. So bekommen viele Kinder aus den untersten Schichten erst gar nicht die Chance, es zu Wohlstand zu bringen. Obwohl eigentlich alle Kinder zumindest in eine staatliche Schule gehen sollten, sehen wir vor allem auch auf dem Land und an den Touristenattraktionen genügend Kinder, die auf der Straße betteln oder unterbezahlte Tätigkeiten ausführen. Ergebnis, ein fast unausweichlicher „Teufelskreis“.

Näherin vor der Schule

Wer in Indien etwas auf sich hält, versucht sein Kind in einer der Tausenden Privatschulen unterzubringen, die es für fast jeden Geldbeutel gibt. Die kostenfreien staatlichen Schulen leiden unter großen Klassen und nicht immer motivierten Lehrern. Trotzdem bieten sie ihren Schülern die Chance auf einen guten Job und einen besseren Lebensstandard. Das Recht auf Bildung scheitert nicht selten auch an den Eltern, die ihre Kinder einfach nicht regelmäßig oder gar nicht zum Unterricht schicken. Während in der Mittel- und Oberschicht Indiens eine gute Schulbildung an allererster Stelle steht, wird sie in den ärmeren Schichten oft nicht so wichtig genommen.

Die Venkateshwar School ist eine gute Privatschule und die meisten Schüler

Schulgebäude

gehören zur indischen Mittelklasse, wobei auch 20% der Schüler kein Schulgeld bezahlen, weil sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen. Die Lebensumstände meiner Gastfamilie sind hier schon die Ausnahme. Ich will es gar nicht verschweigen – die Gucci-Welt am Morgen und Abend ist durchaus angenehm, aber mir ist auch zu jeder Sekunde bewusst, dass der Alltag für die meisten hier ganz anders aussieht.

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