Luftballon, Rose, oder doch vielleicht ein Elefant? (by Svenja E.)

Luftballon, Rose, oder doch vielleicht ein Elefant? (by Svenja E.)

„Mit einem strahlenden Lächeln schaut sie mich an und hält mir einen Luftballon hin.“

Schätzungen von Kinderschützern zufolge arbeiten hier in Indien bis zu 60 Millionen Kinder, offiziell sind es ungefähr 13 Millionen. Weil ihre Eltern nicht genügend Geld verdienen, müssen sie mithelfen, um die gesamte Familie zu versorgen. Die Kinder werden ausgebeutet, sitzen in Hinterzimmern, Fabriken oder auf Märkten anstatt in der Schule. Oft ist die Arbeit gesundheitsschädlich, beispielsweise weil giftige Dämpfe freigesetzt werden. Zudem verdienen sie nicht besonders viel, oft unter 100 Rupien (ca. 1,20€) pro Tag.

In Indien ist, ähnlich wie in Deutschland, die Anstellung von Kindern unter 14 Jahren verboten. Hier wird allerdings nicht auf die strenge Durchsetzung dieses Gesetzes geachtet, sodass viele Betriebe Kinder einstellen. Die Kinder sind wehrlos und billige Arbeitskräfte und die Betriebe sind oftmals auf diese billigen Arbeitskräfte angewiesen.

Wenn die Kinder arbeiten, habe sie nicht die Chance, zur Schule zu gehen. Eigentlich ist Bildung zwar auch in Indien verpflichtend, aber vor allem an öffentlichen Schulen wird der Schulbesuch nicht genau überwacht. Deshalb gehen über 15% der Kinder nicht regelmäßig in die Schule, obwohl sie teilweise sogar eingeschult wurden. Vor allem auf dem Land werden Mädchen vom Schulbesuch abgehalten, da sie unabkömmliche Arbeitskräfte sind. Sie müssen zur Sicherung des Familienunterhalts beitragen, was wichtiger als ihre Schulbildung ist.

Die einzigen Kinderarbeiter, die wir selbst jedoch sehen, sind Straßenverkäufer. Sie verkaufen zum Beispiel Souvenirs, Rosen oder Luftballons und versuchen uns „mitleidige“ Touristen zum Kaufen zu bewegen. Mit einem traurigen Blick oder einem schüchternen Lächeln schaffen sie es schnell, unsere Blicke auf sich zu ziehen. Diese Mitleidsmasche würde sicherlich sehr gut funktionieren, wenn wir nicht wüssten, dass das Geld sowieso nicht bei ihnen ankommt. Die einzige Lösung dieses Problems, die uns einfällt, ist, ihnen direkt eine Flasche Wasser oder etwas Essen in die Hand zu drücken. Allerdings ist dies auch nicht bei jedem Kind möglich, deshalb bricht es uns immer wieder das Herz, tatenlos an den Kindern vorbei zu gehen.

Wenn ich mit meiner Austauschpartnerin und ihrer Familie unterwegs bin, beachten diese die Kinder kaum. Sie sind daran gewöhnt und kennen die Gesellschaft nicht anders, trotzdem tun auch ihnen die Kinder leid. Die Mutter meiner Austauschpartnerin  erzählt mir, dass sie manchmal Dinge der Kinder kauft. Außerdem gibt sie ihnen an heißen Tagen Wasser, weil sie dann großes Mitleid mit ihnen hat.

Leider können wir als Touristen nicht plötzlich die Welt verändern, auch unsere Gastfamilien können dies nicht. Die Kraft dazu haben nur große Organisationen, die oft mit Bundesstaaten oder Distrikten zusammenarbeiten, oder die indische Regierung. Diese fördern vor allem die Bildung von arbeitenden Kindern, um diesen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Sie sollen als Erwachsene selbst genug Geld verdienen, um für ihre Familie zu sorgen, ohne ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Die Projekte sind erfolgreich, es werden mehr Kinder eingeschult und die Alphabetisierungsrate hat sich verbessert. Trotzdem muss noch viel getan werden, um Kinderarbeit zu besiegen.

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