Bollywood – alles wie im Märchen? (by Bozica T.)

Bollywood – alles wie im Märchen? (by Bozica T.)

Bunte Kleider, Gesang, Tänze und ganz viel Drama, das verbinden wir mit Indiens Bollywoodwelt.
Entspricht diese Vorstellung der Wahrheit? Auf unserem Programm steht ein Musicalbesuch – also bietet sich die Gelegenheit, uns selbst ein Bild zu machen.

„Kingdom of Dreams“ etwas außerhalb von Neu Delhi gelegen, ist ein Ort zum Verlieben. Das Königreich der Träume wirkt wie ein Märchenbuch, eine Mischung aus 1001 Nacht und Disney. Zunächst weiß ich gar nicht, wohin ich schauen soll, überall gibt es etwas zum Staunen. In diesem „Palast“ besuchen wir mit unseren indischen Gastgebern das Musical „Bale, Bale“. An diese Vorstellung werden wir uns vermutlich auch in vielen Jahren noch erinnern. Es ist eine Geschichte über vertauschte Brautpaare und eine Hochzeit, die kein Ende findet. Eine hochemotionale Dramenszene jagt die nächste, auch Komik darf nicht fehlen. Da es mit unserem Hindi nicht weit her ist, erkennen wir die Witze nur am Gelächter des einheimischen Publikums, die Handlung an sich erschließt sich uns problemlos. Natürlich gibt es nach unendlichen Drehungen und Wendungen, Verzweiflung und Tränen ein Happyend für alle. Auch an Spezialeffekten fehlt es nicht: Darsteller schweben über die Köpfe des Publikums hinweg auf die Bühne, Bühnenbild und Lichteffekte sind beeindruckend.

Liebe und Verwirrung steht bei indischen Musicals auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Selbst sexuelle Anspielungen sind durchaus erlaubt. Dabei fällt mir aber auf, dass es trotz der Andeutungen nie zum Kuss kommen darf. Ich frage meine Austauschpartnerin, warum das so ist. Sie meint, das sei doch ganz normal, da „küssen“ viel zu persönlich und intim sei. Überraschend ist für uns, dass auch ein schwules Pärchen auf der Bühne zueinander findet.

Meiner Austauschpartnerin Shraddha gefällt das Musical. Sie sagt, sie kann sich mit vielen Szenen durchaus identifizieren. In mancherlei Hinsicht bildet die Traumwelt auf der Bühne auch die reale Welt ab. Die Rollen in der Familie sind klar verteilt: Der Vater ist das Familienoberhaupt, der Mann, vor dem jeder Angst und Respekt hat. Er wird im Musical groß und mächtig dargestellt. Die Mutter geht dadurch zumindest auf der Bühne leider oft ein bisschen unter und dann gibt es noch die Hauptcharaktere, die das ganze Drama erst ins Rollen bringen. Die beiden Töchter verlieben sich ganz entgegen dem vom Vater getroffenen Arrangement jeweils in den Partner der anderen.

Der richtige Knüller kommt am Schluss. Ganz ohne Vorwarnung steigen die Darsteller von der Bühne und tanzen gemeinsam mit uns Zuschauern. Noch nie habe ich so etwas in einem Musical erlebt, aber es passt zur „traumhaften“ Umgebung und zeugt von der Freude, Spontanität und dem Spaß der Inder am Theater. Und diese Lust am Tanz ist einfach ansteckend und überträgt sich auf uns. Wir geben alles!

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