Bei Alice im Wunderland (by Mia)

Bei Alice im Wunderland (by Mia)

Wenn wir durch das Tor zur Schule gehen, fühlen wir uns wie „Alice im Wunderland“. Plötzlich betreten wir eine ganz neue Welt.

Sofort erkennt man die vielen Unterschiede zwischen einer indischen Privatschule und unseren staatlichen Schulen und natürlich auch überhaupt zur Welt außerhalb der hohen Schulmauern. Die allgegenwärtigen Guards (Wächter) an den Toren versuchen dafür zu sorgen, dass es auch so bleibt. Draußen laufen Massen von Menschen zwischen Straßenhunden und Kühen herum, während auf dem riesigen Schulgelände alle in ihren blauen Schuluniformen Sport machen oder sich zum gemeinsamen Gesang aufstellen. Oft kommen wir zu spät zum Unterricht, weil die Tore schon geschlossen sind. Alle Schüler müssen normalerweise um Punkt 7 Uhr das Tor passiert haben. Kommen sie nur wenige Minuten zu spät, müssen sie zwei Strafrunden um das Basketball- und Volleyballfeld joggen. In der Wärme kein Vergnügen! Wer später als 8 Uhr eintrifft, kann gleich wieder nach Hause gehen und darf an diesem Tag nicht am Unterricht teilnehmen. Da die Eltern Schulgeld bezahlen, sorgt das nicht für Freude zuhause. Alle Verspätungen werden fein säuberlich in einem Buch notiert und wer dreimal auch nur ein wenig verspätet ist, muss auch nach Hause.

Die Schule ist nicht gerade billig. Im Jahr kostet die Ausbildung an der Venkateshwar Global School ungefähr 92000 Rupen, was 1165 Euro entspricht. 20 Prozent der Schüler stammen jedoch aus armen Verhältnissen und bezahlen kein Schulgeld. Das schreibt der Staat so vor. Mit dem Schulgeld leistet sich die Schule auch einige technische Raffinessen: 3D-Stühle, 3D-Drucker und Drohnen sind Standard.

Schulhof als Bühne, Spiel- und Sportplatz

Zumindest in den paar Unterrichtsstunden, die ich besuchte, fiel mir deutlich der Kontrast zu unseren Schulen auf. Die Schüler waren ziemlich laut, hörten kaum auf das, was die Lehrerin sagte. Das neue Thema wurde per Video erklärt und danach diktiert oder nachgesprochen. Auch waren mir die Themen alle schon bekannt. Richtig ernst wird es im indischen Schulsystem wohl nach Klasse 10. Da entscheiden standardisierte Test darüber, wer überhaupt weitermachen kann und vor allem in welchen Fächern. Sciences (Naturwissenschaften) haben dann einen hohen Rang – die braucht man für die beliebtesten Studiengänge Medizin, Ingenieurwissenschaften und IT. Da wird zusätzlich zur Privatschule viel Geld in Privatstunden am Nachmittag investiert. Die Konkurrenz um die Studienplätze ist einfach enorm und der Druck auf die Schüler dann auch.

Dann gibt es an der Schule auch noch ein eigenes Krankenzimmer mit einer Krankenschwester. Hier können sich die jüngeren Schüler etwas ausweinen oder sie bekommen auch Medikamente, falls es ihnen schlecht geht. Hier kann man nicht einfach der Sekretärin sagen, dass man Bauchweh hat und mit einem Laufzettel nach Hause gehen. Man wird nur abgeholt, wenn es einem „wirklich“ schlecht geht.

Es ist sehr interessant zu sehen, wie groß doch die Unterschiede zwischen Schulen in Indien und Deutschland sind. Ich weiß es jetzt noch mehr zu schätzen, dass bei uns alle kostenfrei gute Bildung genießen können.

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