Unsichtbar (by Matthias)

Unsichtbar (by Matthias)

Da liegt er und schläft, mitten in Neu Delhi, auf dem Autobahnstreifen, der die Straßen trennt, nur etwa einen Meter breit. Der Mann ist ärmlich gekleidet und sieht so aus, als würde er nichts besitzen außer den Sachen, die er am Leib trägt. Von solchen Schicksalen sieht man einige in der Großstadt. In manchen Gegenden sehe ich sogar zwanzig oder mehr Obdachlose an einem Ort schlafen, mitten in der Stadt, kein Schutz, nur harter Beton.

Armut ist ein großes Problem in Indien. Bei 1,4 Milliarden Einwohnern ist das wohl auch nicht überraschend. Und doch ist sie erschreckend und mir zuvor noch nie in diesem Ausmaß begegnet.  Was mich bestürzt ist, wie wenig die Mitmenschen davon betroffen scheinen, die Armut wird einfach ignoriert.

Findet man in Indien keine Arbeit oder nur eine für wenig Lohn hat man keine Perspektive und muss auf der Straße leben. Es gibt um die 220 Millionen Arbeitslose und unbeschäftigte Inder, was sich deutlich bemerkbar macht. An Orten mit vielen Touristen wird man von vielen bettelnden Menschen bedrängt. Oft sind es Kinder oder Menschen mit körperlichen Behinderungen, sie sollen mehr Mitleid erzeugen. Da empfindet man natürlich schnell Mitleid und tendiert immer wieder dazu, in die Tasche zu greifen. Niemand weiß jedoch, was mit dem Geld passiert, welches höchstwahrscheinlich nicht bei den Bettelnden bleibt. Nachhaltige Hilfe kann man so sicher nicht leisten.

Das Land funktioniert und bewältigt all die Probleme, die mit einer solch hohen Bevölkerung einhergehen auch ganz gut. Aber ich kann den Kontrast zwischen Arm und Reich und die Ungerechtigkeit, die damit einhergeht, nicht ignorieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.