Neun Tage bis Dusshera (by Anika)

Neun Tage bis Dusshera (by Anika)

Ravana

Am ersten Tag nachdem ich in Indien gelandet bin, wollte meine Gastfamilie mich mit zu einem Ramleela mitnehmen. Ich hatte in der Vergangenheit schon viel über diese indische Tradition im Herbst gehört, aber leider noch nie die Möglichkeit, das Fest live mitzuerleben. Ramleelas sind Theaterstücke, die über neun Tage die historische Geschichte von Lord Rama erzählen, der den Dämonenkönig Ravana bekämpft und am zehnten Tag schließlich besiegt – der Kampf des Guten über das Böse. Ramleelas gehören zu Navratri (Nav= neun, Ratri = Nächte), einem Festival, bei dem Hindus ihre Götinnen verehren. Manche feiern es zu Ehren der Götin Durga, andere verehren die Göttinnen Sarasvati, Lakshimi oder Parvati. Neben den Ramleelas und farbenfrohen Umzügen gehören auch große indische Jahrmärkte mit vielen Essensständen, Gewinnspielen und Karussells zu Navratri.

Als ich mit meiner Gastfamile beim Ramleela eintraf, war nicht viel los, da die Geschichte von Lord Rama erst in den letzten 2-3 Tagen richtig an Fahrt aufnimmt. Das heißt, wir hatten keine langen Schlangen und mussten nicht lange warten, um an die Essenstheke zu gelangen. Am ersten Tag gab es wirklich nicht viel zu sehen, deshalb kamen wir relativ früh nach dem Abendessen wieder zurück.

Meine Gastfamilie nahm mich dann nochmals am 5. Tag mit und ich sah schon gewaltige Unterschiede im Vergleich zum ersten Tag: Der ganze Platz war überfüllt mit Menschen und man hatte fast keinen Platz zum Laufen. Zusammen mit meiner Austauschschülerin fuhr ich Karussell und wir spielten Bogenschießen. Danach gingen wir zum Essensstand und diesmal mussten wir ganz schön lange warten, bis wir einen „Essenschip“ bekamen. Mit diesem Chip konnten wir uns pro Person ein Hauptgericht und ein Getränk aussuchen. Nach dem Essen ging es weiter mit dem Ramleela. Einlass bekamen wir diesmal nur mit VIP Karten und wir wurden zu unseren Plätzen begleitet. Wir kamen nicht ganz zur passenden Zeit, da die Hälfte des Stücks schon vorbei war. Es war aber ohnehin ein Kommen und Gehen – niemand schien es mit Anfang und Ende so genau zu nehmen. Trotzdem war die Aufführung sehr interessant mit vielen aufwändigen Requisiten.

Farbenfroher Umzug bei Nacht

Alle auf der Bühne hatten bunte, traditionelle Kleidung an, was die Geschichte gleich viel spannender machte. Trotzdem war ich dann doch froh, als das (vorläufige) Ende erreicht war – Navratri ist doch ein ziemlich anstrengendes Fest!

Am 10. Tag, auch Dusshera genannt, wird dann endlich der Sieg Ramas über den Dämonenkönig Ravana gefeiert. Für Gläubige ist es ein guter Tag, um etwas Neues anzufangen oder seinem Leben eine positive Wendung zu geben.

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