Wertvolles Wasser

Wertvolles Wasser

Morgens nach dem Aufstehen unter die Dusche und das angenehme, warme Wasser auf der Haut spüren, sich entspannen und sauber gewaschen in den Tag starten? Wir deutschen Austauschschüler wünschen uns das, sobald wir aufwachen und feststellen, dass der ganze Körper noch immer wegen des Mückensprays, der Sonnencreme, Staub und Schweiß klebt und sich der Pyjama nur langsam von der Haut löst. Aber egal, wie sehr man sich eine angenehme Dusche am Morgen wünscht, für die meisten von uns ist und bleibt das ein Traum in Indien. Um beim Duschen sauber zu werden muss man kreativ und spontan sein.

Hier fünf verschiede Typen von Duschen, die wir bis jetzt in Indien angetroffen haben:
1. Die Luxusdusche
Die Dusche ist purer Luxus. Alles funktioniert und ist besser als die meisten Duschen in Deutschland. Sanfte Dusche mit Musik und Lichteffekten – kein Problem! Ein absoluter Glücksfall und man schwelgt im Duschparadies!
2. Regendusche
Die Dusche sieht normal aus und funktioniert auch normal, aber manchmal fallen nur noch ein paar Tropfen von oben herunter. Man fühlt sich wie in einem leichten Regen, was zu morgendlichen Entspannung beitragen kann. Aber die Haare werden nur langsam nass und das Shampoo lässt sich nur schwer auswaschen.
3. Kleine Dusche
Die Dusche funktioniert ganz normal, ist aber etwas zu klein, sodass man sich bücken muss, um ganz unter den Wasserstrahl zu passen. Da kann man beim morgendlichen Duschen gleich noch den Morgensport integrieren.

Baden in heiligen Gewässern des Gurudwara

Baden in heiligen Gewässern des Gurudwaras

4. Kaltes Wasser
Diese Duschform kann mit jeder anderen Duschform kombiniert werden, denn bei der kalten Dusche wird das Wasser einfach nicht warm oder sehr plötzlich kalt. Aber kalt duschen soll ja ziemlich gesund sein und bei den warmen Temperaturen tut eine kalte Dusche durchaus gut.
5. Trockendusche
Diese Duschform lässt die Laune schlagartig sinken, denn hier kommt kein Tropfen Wasser aus der Dusche. Aber nicht verzagen, denn das ist meistens kein Dauerzustand. Oftmals kann man einen Tag später schon wieder duschen.
In Indien selbst ist unsere Art zu duschen nur in der jüngeren Generation verbreitet (wenn sie die Voraussetzungen dafür haben). Klassischerweise nimmt man hier ein Bad mit dem Eimer. Ein riesiger Eimer wird mit Wasser gefüllt, man setzt sich auf einen kleinen Plastikschemel, seift sich ein und wäscht dann alles mit einem großen Becher, den man immer wieder in den Eimer taucht, ab.
Was aber machen die vielen Inder, die gar kein fließendes Wasser geschweige denn ein Badezimmer zur Verfügung haben?

Wenn wir mit dem Bus durch Delhi fahren, sehen wir viele Menschen, die am Straßenrand wohnen. Manchmal sieht man, wie sie baden. Wenn möglich, nutzen sie einen Fluss. Das Wasser ist schwarz, oft treiben leere Plastikflaschen auf der Oberfläche, trotzdem baden die Menschen darin. Es gibt auch öffentliche Wasserhähne, an denen die Menschen sich waschen. Oder ein ganzer Haushalt benutzt gemeinsam eine mit Wasser gefüllte Wanne.
Egal, wie man duscht oder badet, in den meisten Fällen ist das Wasser nicht sauber. Oftmals sieht man es nicht, aber man weiß es. Wir dürfen das Wasser aus der Leitung weder zum Zähneputzen benutzen noch trinken. Sauberes Wasser findet man nur in Flaschen und auch da muss man aufpassen und darauf achten, dass die Flasche verschlossen ist.
Durch unseren Aufenthalt hier hat Duschen und der Luxus von sauberem Trinkwasser aus dem Hahn eine völlig neue Bedeutung bekommen. Ich werde es zu schätzen wissen, wenn ich das nächste Mal die Dusche andrehe und wie selbstverständlich sauberes, warmes Wasser aus dem Duschkopf strömt.

Johanna

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