Landleben

Landleben

Am Wochenende werde ich von meiner bisherigen „indischen Welt“ in eine ganz andere gebracht: Ich besuche meine Austauschpartnerin Muskan in ihrem Haus in Sonepat, ca. 40 km nördlich von New Delhi gelegen, und darf somit das indische Landleben kennenlernen, das so ganz anders ist als das (Haupt) Stadtleben!
DSCN8054Da ich meine Austauschschülerin zum ersten Mal seit Monaten wiedersehen werde, bin ich total aufgeregt: Wie wird es sein? Wie ist ihre Familie? Wie lebt sie? Als ich sie letztendlich treffe, sind wir beide einfach sehr glücklich! Ihre Familie nimmt mich sofort liebevoll auf und ich fühle mich gleich zu Hause bei all der Fürsorge und Freundschaft, mit der sie mich umsorgen. Durch ihre Offenheit ist es auch überhaupt kein Problem, die Familie näher kennen zu lernen und sich willkommen zu fühlen. Sie erzählen mir sehr viel über ihre Traditionen, geben mir leckeres indisches Essen und zeigen mir, wie man es richtig isst: in den Händen das Brot (chapatti) halten und damit die Currys aufnehmen und zum Mund führen. Sie nehmen mich mit zu ihrem Tempel, gehen mit mir auf dem Markt einkaufen und besuchen mit mir Familie und Verwandte.
Meine Lebenswelt in Sonepat unterscheidet sich deutlich von der in der Stadt: Das Haus von Muskan sieht ganz anders aus als die riesige Wohnung, in der ich bisher in Delhi wohnte. Es gibt einen winzigen „Vorhof“ hinter einem Tor, das ganz zugebaut ist und eher als Mini-Garage für die Mofas („Scooties“) benutzt wird. Ich betrete das Haus, das keine richtige Tür hat, sondern ein Gitter wie wir es von Einkaufsläden kennen. Obwohl immerhin ein komplettes Haus zur Verfügung steht, spielt sich das ganze Leben auf kleinstem Raum im Erdgeschoss ab. Muskan hat ein eigenes kleines Zimmer. Dazu gibt es noch das Zimmer der Eltern, in dem auch der kleine Bruder lebt, und ein weiteres für die Großeltern, da in der indischen „joint family“ die Frau in das Haus des Mannes einzieht und dessen Eltern weiterhin dort leben. In der Ecke hinten ist die kleine Küche, in der es anders als in Deutschland keine Schränke gibt, die dafür aber einen kleinen Tempel besitzt. Im Flur Richtung Küche steht der Kühlschrank und ein Waschbecken, an dem wir uns die Hände waschen oder die Zähne putzten. Die Toilette ist nicht im Haus, sondern direkt vor der „Haustüre“ an der Seite des „Vorhofes“. Einen Esstisch im Haus sucht man vergeblich – wir essen mal in Muskans Zimmer, mal im Zimmer der Eltern auf einem kleinen Tisch oder dem Boden.
DSCN8089Für mich ist es sehr interessant, diesen einfachen Lebensstyl selber erleben und leben zu dürfen. Zu sehen, wie wenig man eigentlich braucht, um sich wohlfühlen zu können. Die Zeit zusammen genießen und aus den einfachen Dingen etwas Schönes machen, wie zum Beispiel miteinander zu reden und gemeinsam neue Dinge zu entdecken. Und zu sehen, wie gut es sich auch ohne 3G, Internet und WiFi leben lässt.

Irene

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